»Wieso ein Notbehelf?«
»Würdest du uns keine mehr erzählen?«
Sie schüttelte den Kopf.
»Nein. Keine Phantasiegeschichten mehr. Nie mehr. Aber wenn man vor einer großen Mauer sitzt, dann malt man sich natürlich aus, was es hinter der Mauer gibt. Und wir wußten nichts, als daß es dahinter Männer gibt. Und da malten wir sie uns mit lauter Männern aus. Ihr wolltet es ja so.«
»Nun, und was? Was gibt es sonst noch dahinter?«
»Weißt du jetzt etwas davon, was es da gibt?«
»O!« sagte Ruth nur, aber ihre Augen öffneten sich groß und strahlten alle an, wie zwei unergründlich verheißungsvolle Glücksgeheimnisse, »dahinter gibt es das Leben.«
In ihrem Blick und Ausdruck lag etwas dermaßen Aufstachelndes, die Neugier und das Verlangen Aufreizendes, daß in diesem Augenblick den meisten selbst der »Bräutigam« schon etwas schal und abgestanden erschien. In den Gesichtern prägte es sich deutlich aus, daß ein neuer Hunger sich geltend machte.
»Wie kommt man denn über die Mauer?« fragte die unternehmende Wjera.
Ruth lachte.