Das Lachen breitete sich über ihr ganzes Gesicht. Lachend wachte sie auf und hörte Erik lachen.

»Ist es Morgen?« fragte sie verwundert und setzte sich auf.

»Nein. Es ist Mittag. Warum bist du denn den Mädchen so rasch weggelaufen? Sie fragten noch nach dir,« sagte er.

Ruth rieb sich die Augen.

»Ach so, die Mädchen. Jetzt weiß ich schon,« versicherte sie; »ja, mit den Mädchen ist es nichts. Glaub's nicht. Aber mir ist eingefallen: wenn man keine lebendigen Menschen aufbringen kann, — dann gäb's am Ende auch noch ein andres Mittel.«

»Mädel! Schüttle den Schlaf ab. Träumst du denn noch?«

»Nein, nein. Kein Traum,« sagte sie eifrig, glitt mit den Füßen vom Sofa herunter, stützte die Arme auf den staubigen Tisch davor und drückte das Kinn auf die geballten Hände; »ich habe es mir nämlich so gedacht: wenn man zu den Menschen sprechen will, — in sie hineinwirken, — an ihnen was Großes schaffen, — und man findet nicht recht die richtigen Menschen, die gut dazu passen würden, dann muß man es so machen: man muß sich etwas ausdenken, was man ihnen vor Augen stellt, — so recht überzeugend und gewaltig vor Augen, bis sie Lust kriegen. Kann man das nicht? Warum nicht? Zu den Menschen vom Allerschönsten reden und nicht müde werden, — bis sie Lust kriegen.«

Sie sprach rasch und belebt, mit wachen, glänzenden Augen, sichtlich bemüht, ihm etwas deutlich zu machen, das sie da, wie einen Traum, mitten aus ihrem Schlaf hervorgeholt zu haben schien.

»Wer soll das thun?« fragte er langsam, von ihrem Gesichtsausdruck wie gebannt, und trat heran an den Tisch.

»Sie sollen es!« rief sie hell, »wer denn sonst? Sie haben mir immer gesagt: mit den Phantastereien ist es nichts, aber das Leben ist schön und weit. Ich glaub's ja! Ader nun weiß ich, wozu die Phantasiegeschichten gut sind, — denn zu etwas sind die auch gut. Dazu, daß man sich ausdenken kann, was noch am Leben fehlt, und es hinzuthun. Am Leben und an den Menschen. Nicht wahr?«