Während sie sprach, ging Erik im Zimmer auf und ab. Ihm schien, als lausche er auf den kindlichen Ausdruck dessen, was er nur künstlich in sich selbst zurückgedrängt hatte. Es kam wieder und redete mit Kinderstimme zu ihm. Eine Reihe noch unklarer Pläne blitzte ihm durch den Kopf. Alte und neue durcheinander. Sie hatten immer nach Gestaltung verlangt. Und er, durch die Verhältnisse enttäuscht, hatte versucht, sie von sich abzuschieben, — zu vergessen. Im vergangenen Winter hatte er sich in einen förmlichen Gesellschaftsrausch gestürzt, um sie zu vergessen.

Ruth saß und folgte ihm mit den Augen.

»Jetzt denkt er sich gewiß was aus!« dachte sie.

Mehrere Minuten vergingen in Schweigen. Beide merkten nichts davon, daß die Luft im Zimmer dick und staubig war, und ungezählte Mücken umherschwirrten.

Dann blieb Erik stehen, nickte zu ihr hinüber und sagte heiter: »Danke dir, Mädel. Erinnerst du dich, daß du mir etwas schenken wolltest, was ich eigentlich nie bekommen habe? Nun hast du mir aus deinen Phantasiegeschichten heraus doch etwas geschenkt. Zur guten Stunde.«

Sie sprang vom Sofa und kam auf ihren Strümpfen lautlos zu ihm.

»Ja!« sagte sie froh, »Sie wollten sie mir aus dem Kopf herausnehmen und alle für sich behalten. In den Kopf sollte nur lauter Vernünftiges hinein. Sie sagten damals: ›Nun sind alle deine Geschichten mein Eigentum, und ich kann mit ihnen machen, was ich will.‹ Und nun werden Sie etwas Schöneres damit machen, als ich's gekonnt habe.«

Sie hob den Kopf mit einem Ausdruck ungeduldiger Spannung und Erwartung, und dann fügte sie bittend hinzu: »Aber ich muß zuhören dürfen, wenn Sie sich was ausdenken! Darf ich zuhören? Werden Sie es mir erzählen?«

Erik blickte auf sie nieder. So kindhaft kam sie ihm vor, als sie so in Strümpfen neben ihm stand. Da reichte sie ihm noch nicht bis zur Schulter.

Wie heute morgen am Schreibtisch beugte er sich zu ihr, nahm ihr Gesicht in seine Hände und sah hinein in zwei strahlende, glückliche, bittende Kinderaugen.