»Wir werden es uns zusammen ausdenken!« sagte er. —
Klare-Bel hatte inzwischen Besuch gehabt. Als Erik und Ruth nach Hause kamen, stand eine Equipage vor der Gartenpforte. Der Kutscher wendete den leichten Wagen mit englischem Gespann und ließ die Pferde sich langsam, im Schritt, abkühlen.
Warwara Michailowna saß bei Klare-Bel in deren kleinem, behaglichem Gemach neben der Wohnstube. Sie war von ihrem erst kürzlich bezogenen Landhause, das etwa eine Stunde entfernt lag, herübergekommen.
Es waren meistens nicht nur konventionelle Besuche, die sie der kranken Frau machte. Sie kam gern, wie sie auch gern empfangen wurde: Sie empfand es wohlthuend an Klare-Bel, daß man deutlich fühlte: hier lag eine, der es wirkliches Vergnügen machte, einmal im Plauderton wieder etwas von der Welt draußen, von den Menschen und der Gesellschaft zu hören. Konnte sie auch nie wieder in das gesellige Treiben zurückgelangen, so kannte sie dergleichen doch recht wohl aus den ersten, beglückenden Jahren ihrer Ehe und sah es noch immer ein wenig im Glanze dieser Zeit. Und da war es nun eigentümlich: wenn man zu so einer sprach, dann ließ man unwillkürlich den schlechtesten Klatsch zu Hause.
Klare-Bel selbst erzählte zwar niemals viel. Aber Warwara wußte, daß es auch andern Bekannten gegenüber nicht geschah. Sie wußte: dies hier war wirklich eine Frau, die mit niemand intim zu sein vermochte, als mit ihrem Mann.
Was Warwara über Ruth und deren Anwesenheit im Hause erfuhr, fesselte sie im höchsten Grade und erregte sie beinahe. Als aber nun Ruth ins Zimmer trat, war sie enttäuscht.
Sie hatte unwillkürlich etwas Auffallendes erwartet.
Vielleicht einen wilden, interessanten Jungen in Mädchenkostüm, vielleicht auch umgekehrt ein rührendes, liebliches Kind, das sich schüchtern zurückzog, — jedenfalls etwas ganz Eigenartiges. Nicht ein blasses, wohlerzogenes Ding, das sich für Warwaras im Salon geübten Blick von andern so jungen Mädchen durch nichts unterschied, als höchstens durch das geradezu Abgeschliffene, Formsichere und Unbefangene ihres Wesens einer Fremden gegenüber.
Nicht minder schnell war Ruth mit Warwara fertig: sie nahm diese ganz als eine von vielen und gab auch sich selbst so, wie eine unter den vielen, aus denen die Gesellschaft besteht.
Warwara zog sie ein wenig ins Gespräch und fragte, wo sie erzogen worden sei.