»Das ist originell. Sie vindizieren da dem Manne eine Kraft des Pflichtbewußtseins, einen Edelmut des Mitleids, den wir, — die Frauen, — nicht —«
»Ach nein, empören Sie sich nur nicht. Kein Pflichtbewußtsein: nur ein Glücksbewußtsein mehr, als ihr es habt. Keinen mitleidigen Edelmut: nur einen begehrlichen Hochmut, den ihr nicht besitzt. Der Mann, der für immer ein Weib an sich und auf sich nimmt, genießt neben dem Liebesglück noch ein andres, spezifisch männliches Glück: er legt seine Hand bewußt auf dieses ganze ihm zugehörige Dasein und sagt dazu: ›Mein‹. Ihm bedeutet sein Glück durch das Weib dreierlei: lieben mögen, — verantworten wollen, — herrschen dürfen.«
Warwara schüttelte sich.
»Gott erhalte Ihnen Ihre Arroganz!« sagte sie; »mir jedoch ist wahrlich die Vorstellung lieber, nach welcher die Frau des Mannes Königin ist.«
»Sie sehen, — ich sage noch mehr: sein Königreich,« versetzte er lächelnd, »daher gibt sie ihn eher preis, als er sie. Für sie gibt es eben ihm gegenüber Aufstand, Empörung, Revolution, — was alles ganz heroisch aussehen und sehr verführerisch wirken kann. Für den Mann hingegen wäre untreues Preisgeben seines eigensten Reiches etwas, was ihm wider die Scham geht.«
Warwara lachte ihm ins Gesicht.
»Und das sind Sie, der für alle möglichen modernen Entwickelungskämpfe, und auch für die der Frauen, so gern eintritt!« rief sie; »es ist eine schauderhafte Inkonsequenz und ein Selbstbetrug obendrein! Denn wenn Sie sich nun in eine solche entwickelte Zukunftsfrau verliebten, die nicht mehr so mittelalterlich denkt, und sie nicht unterkriegten?«
»Das würde ich doch!« sagte Erik. »Sonst würde ich mich vielleicht für sie begeistern, sie bewundern, fördern, als meinen Kampfgenossen achten, — aber lieben, — wie sollte ich das? So wenig, als wenn ich ein Weib, oder sie ein geschlechtsloses Wesen wäre. Ich kann mir vorstellen, daß der Mann jede Herrschsucht vollständig ablegt um einer Sache willen, die er über sich stellt. In der Liebe — nie! Und ein Weib, das diesem Instinkt nicht entgegenkommt, — wirkt nicht als Weib.«
»Und dieser Widerspruch sollte in der Natur selbst liegen? Nein, nur in eurem jahrhundertelang großgenährten Dünkel,« versetzte Warwara entrüstet und wandte sich zu Klare-Bel: »Was sagen Sie nur zu einem solchen Mann? Wir sollten uns für alle Zukunft unter den Mann stellen, wenn wir lieben?«
Klare-Bel antwortete etwas unsicher: »Ich glaube, das thun wir, nicht weil wir unter ihm stehen. Sondern weil wir glücklich sein wollen.«