Alle drei fingen an zu lachen. Warwara erhob sich, um nach Hause zu fahren.

»Nun sollt' ich hiervon eigentlich genug haben,« bemerkte sie gut gelaunt zu Erik, »aber von meiner kleinen Nichte in der Mädchenschule erfuhr ich, daß diesmal Sie bei dem feierlichen Schulschluß die übliche große Rede halten werden. Da komme ich hin. Damit Sie doch wissen: Eine sitzt da und verspottet Sie. Und hübsch klingen wird es sicher. Ich habe nämlich schon immer Ihre Toaste in Gesellschaften so gern gehabt.«

Erik mußte lachen.

»Sie sollten mich nicht so gewaltsam daran erinnern, daß unsre schönsten Reden für Toaste genommen werden,« versetzte er, »und daß fast die einzigen aufmerksamen Zuhörer, die wir außer den Schulkindern auftreiben können, die gelangweilten schönen Frauen unsrer oberflächlichen Gesellschaft sind.«

»Liebste, jetzt sind Sie Zeugin, daß ich mich zu rächen habe,« sagte Warwara gekränkt zu Klare-Bel; »ich möchte nur wissen, ob's ihm nicht weh thäte, wenn die schönen Frauen alle wegblieben. Ich glaube, dieser Barbar würde dann Sie auf den Rücken nehmen und zur Zuhörerschaft unter seine Schulkinder setzen, die ihn alle fürchten wie das Feuer.«

»Das wird wohl nie geschehen,« meinte Klare-Bel etwas betrübt.

»Doch! doch! Kein Mensch kann in die Zukunft sehen. Wir werden jetzt, auf Grund einer Konsultation mit dem Professor, eine Behandlung meiner Frau durchführen, die Wunder verspricht,« sagte Erik zu Warwara und geleitete sie an ihren Wagen.

Jonas war später nach Hause gekommen, als Erik mit Ruth, und kam seltsamerweise erst zum Vorschein, als der Besuch fortgefahren war, und man sich schon zu Tisch setzte.

Die Zwischenzeit hatte er im hintersten Winkel des Gartens unter den tropfenden Bäumen verbracht, im Kampf mit einem großen Entschluß. Seine Ringelnatter war mit ihm, sie hing ihm melancholisch um den Hals, als wisse sie schon, daß ihr etwas sehr Unangenehmes bevorstehe. Noch einmal hatte er sie liebkosend in die Arme genommen, sie gestreichelt und zärtlich an sich gedrückt, noch einmal in ihrem kostbaren Besitze geschwelgt. Dann hatte er sie totgeschlagen.

Um es zu thun, mußte er sich Mut einsprechen und sein Herz verhärten. Er mußte sich vorstellen, daß er wie ein neuer Herkules sei, der die Hesione von einem Meerungeheuer erlöst, oder noch lieber wie Perseus, der sich seine Andromeda erobert. Aber diese Vorstellung verfing nicht recht. Seine arme Ringelnatter sah gar nicht aus wie ein Meerungeheuer; Ruth verkannte sie nur. Das Tier blickte ihn mit seinen schwarzen Aeuglein so beweglich an, und er hatte es so lieb.