Als nach eingetroffener Erlaubniß des Königs von Dänemark Elisa wieder den Namen Gräfin von Ahlefeldt-Laurwig annahm, schrieb ihr Lützow aus Erfurt, wohin das Armeekorps, dem er angehörte, marschirt war, den 28. Mai 1831: »Sehr angemessen finde ich es, daß Du Deinen Familiennamen angenommen, es bringt Dich Deiner Familie wieder näher, und wird beim äußeren Auftreten manche schmerzhafte Erinnerung vermeiden – und in dieser Beziehung ein neues Leben begründen. – Doch den Menschen beherrschen doppelte Gefühle, und so konnte ich mich der egoistischen Thränen nicht erwehren, als ich erfuhr, daß Du meinen Namen nicht mehr trägst; – ich fürchtete, Du wärest mir dadurch entfernter getreten. – Ueber die Inconsequenz der Menschen, die erst handeln, und dann erst begreifen, was sie gethan haben!«–

Da der Zustand von Elisens Vater damals große Besorgnisse einflößte, und man vermuthen durfte, daß ihr Vetter Christian, der sie dringend zu sich einlud, bald der Besitzer von Langeland sein würde, so drückte Lützow den Wunsch aus, sich dort mit Elisen treffen zu dürfen, denn, sonderbar genug, verbinde er mit Langeland noch immer den Begriff, als wäre er dort in der Familie, und, setzte er hinzu, wäre er frei, so möchte er seinen Abschied nehmen, sich auf Langeland eines der ehemaligen Musikantenhäuser miethen, und im Andenken an Elisen dort ganz still leben. Es ist gewiß sehr ungewöhnlich, daß ein Mann solche Gefühle für seine geschiedene Gattin hegt, wie es in diesem eigenthümlichen Verhältniß der Fall war. –

Die Befürchtungen in Betreff von Elisens Vater trafen bald ein. Den 8. März 1832, in demselben Monat, in dem sie ihre Mutter verloren hatte, erfolgte sein Tod; sanft und ohne Schmerzen entschlief er an den Folgen eines Nervenschlages, zweiundsiebzig Jahre alt. Elisa hatte ihm mehrmals und zu verschiedenen Zeiten angeboten, zu ihm nach Langeland zu kommen, und ihn zu pflegen, aber er hatte dieses Opfer abgelehnt, und ein solches wäre es unläugbar für sie gewesen, da in dem Kreise, in welchem er schon lange Zeit lebte, seit Jahren keine Dame von Erziehung und wirklicher Bildung gewesen war, und ein roher Ton und leichtfertige Sitten herrschten.

Er hinterließ beträchtliche Schulden. Elisa schloß nun mit ihrem Vetter, dem Grafen Christian von Ahlefeldt-Laurwig, an den nun die Grafschaft fiel, einen Vergleich, der darauf hinauslief, daß ihr auf Lebenszeit eine jährliche Rente ausgezahlt wurde; sie erhielt freilich nicht die Reichthümer, die ihr in der Jugendzeit zugedacht gewesen, aber zum wenigsten sah sie sich doch endlich in geordneten und sichren Verhältnissen.

Die erste Anwendung, die sie von einem Theil ihres neuen Einkommens machte, war, daß sie ihrer theuren alten Erzieherin, die bereits sechsundsiebzig Jahre alt, noch in Hamburg lebte, eine jährliche Pension gab, die Graf Friedrich von Ahlefeldt ihr auf Lebenszeit verheißen, aber seit einundzwanzig Jahren nicht mehr ausbezahlt hatte. –

Im Frühjahr 1833 wurde Lützow ganz unerwartet zur Disposition gestellt; er schrieb Elisen hierüber aus Torgau den 1. Mai: »Meine beste Elise! Der König hat meine Brigade dem Prinzen Albrecht gegeben, und wenn es nun allerdings nichts Ungewöhnliches ist, einem Königssohn zu weichen, so bleibt es doch allerdings nichts Angenehmes. – Es sind mir die allerschönsten Versprechungen gemacht worden, indeß ist haben besser als bekommen, die Leute, denen meine Art zu denken eben nicht gefällt, schätzen mich sehr hoch, finden aber, daß es schade sei, so oft verwundet zu sein, u. s. w. Im ersten Augenblick fehlte mir die Kraft nicht, indeß läugne ich nicht, daß ich im Inneren verstimmt bin; meine Absicht ist, eine Wohnung im Thiergarten zu miethen, und dort das Weitere abzuwarten. Erstlich wollte ich nach Dresden gehn, wo ich gewesen bin, und wo es mir ganz besonders gefällt, indeß wünscht Witzleben, daß ich in Berlin bleiben möchte. Ich bin ganz wohl, und habe zu wenig Uebung mich selbst nur allein mit mir zu beschäftigen, um auf eine Anstellung völlig verzichten zu dürfen.« –

Auch über diese Kränkung, die er tief fühlte, sprach er sich am liebsten gegen die Freundin aus; er konnte sich schwer in seine neue Lage finden. Er ging nun nach Berlin, und bezog eine Wohnung im Thiergarten. An die höflichen Redensarten, mit denen man ihn hinhielt, glaubte er wenig, und nahm sich vor, noch einige Zeit die Dinge ruhig zu erwarten, wenn er aber nicht, wie man ihm mündlich und schriftlich zugesichert, auf eine angemessene Art angestellt werde, so wollte er Preußen verlassen, und es nie wiedersehen. –

In einem Briefe aus Berlin, den 28. November 1833 sprach Lützow seinen allerdings gegründeten Unmuth aus; er lautet: »Meine beste Elise! Ich habe lange nicht geschrieben, aber es wird mir schwer, Dir zu sagen, wie ich lebe! Beinahe schäme ich mich, es zu erzählen. Meine Wohnung im Thiergarten ist allerdings angenehm, außerdem bin ich völlig ohne Geschäfte; kein Mensch, sage keine menschliche Seele erinnert sich meiner. Leo ist der einzige, der alle Monat einmal pflichtmäßig zu mir kommt, er ist mehr achtbar als angenehm, und verläßt mich nie, ohne mein Gefühl verletzt zu haben. – Daß der Lützow'sche Name nicht florirt, ist ihm allerdings unangenehm, mir persönlich mag er wohl eine Demüthigung gönnen, wenn er auch darüber – wie die Menschen in so vielen Verhältnissen – nicht ganz klar sich selbst Rechenschaft giebt. – Ich bin stumpf geworden, die Dinge haben ihren Eindruck auf mich verloren. Es bedarf eines äußeren Anklangs, um mich wieder zu erheben, ich werde ihn suchen und finden! – Berlin ist übrigens ein fatales Offiziantenloch. Alles äfft dem Hofe nach. Bildung des Verstandes will ich den Berlinern nicht allgemein absprechen; das Gemüth ist ohne Fülle, sie sind in Vielwisserei, äußeren Schein und Vornehmthun versunken. Der Luxus ist groß. Ein Hausvater läßt seine Kinder nach seinem Tode lieber betteln, als seine Gäste ohne Champagner. Die Frauen bedürfen unaufhörlich neuer Lumpen, und bedenken nicht, daß ihre Kinder dereinst zerlumpt einher wandern müssen. In diesem Augenblick passiren lauter schöne Wagen und Pferde, die Livreen gleichen den Hoflivreen, denn jede arme Lieutenantsfrau glaubt ein Stück des Hofes sein zu müssen. – Hinter dem Wagen steht ein Neufchateller Jäger, der nie einen Hasen geschossen, und noch überdies das Französische seiner gnädigen Frau nicht recht zu deuten versteht, so laut sie auch das ganze Publikum damit unterhält. Vor 1813 hatte das Unglück die Berliner vernünftig gemacht, seitdem die Staatskassen richtig zahlen, und die Orden fliegen, sind sie die alten, und noch schlimmer wie vor 1806. – Darf ich Dich besuchen, wenn ich im Frühjahr nach dem Rhein komme? Gern sagte ich Dir mündlich, daß ich nie aufhören kann der Deinige zu sein.« –

Immer auf's Neue äußerte Lützow den Wunsch Elisen wiederzusehen, um sich bei ihr zu entschädigen für sein häusliches Leid. »Lange bin ich in Dresden gewesen,« schrieb er ihr aus Berlin, den 1. November 1834, »und habe eigentlich die Absicht dort für immer zu leben. Dir hat es ja auch stets dort gefallen, kommst Du nicht vielleicht einmal wieder nach Dresden? Wir wollten recht freundlich zusammen leben. Ueberlege Dir meinen Vorschlag, der aus meinem tiefsten, innersten Gefühl hervorgegangen. – Die Tochter unseres Wilhelms würde Dich interessiren, sie ist stark, kräftig, und ob sie gleich für das ungezogenste Mädchen gehalten wird, und alle Dinge mit ihren eigenen Augen ansieht, so ist dennoch in ihrem kleinen Herzen eine Welt von Empfindungen und unendliche Tiefe des Gefühls. – Meine felsenfeste Gesundheit ist erschüttert, und ich bin oft krank. Gemüthsbewegungen kann ich durchaus nicht vertragen, diese machen, wie Aerger, da ich nicht wie sonst durch heftiges Aufwallen Luft mache, mich stets krank. – Ich erwarte viel von einer gänzlichen Zurückgezogenheit im herrlichen Dresden, besonders wenn auch Du durch Deine Gegenwart das Leben verherrlichen wolltest. Mit tiefer Anhänglichkeit und treuer Freundschaft der Deinige Adolph.« –

Was Lützow hier von seiner Gesundheit sagte, war leider nur zu wahr! Ein Brief aus Berlin, den 18. November 1834, in welchem er Elisen nachträglich auf gewohnte Weise zu ihrem Geburtstag Glück wünschte, und lebhaft über ein dreitägiges Fieber klagte, war der letzte, den er der geliebten Freundin geschrieben, denn schon den 4. Dezember 1834 starb er plötzlich, erst zweiundfünfzig Jahre alt. –