So gehst doch du vorüber.« –
Viele ihrer älteren und auch manche jüngere Freunde waren ihr vorangegangen, deren Verlust sie schmerzlich empfand. Im Mai 1846 entschlummerte sanft der edle Möller, vierundachtzig Jahre alt. In demselben Jahre endete Philipp Kaufmann in einem Anflug von Verzweiflung selbst sein Leben in Paris. Im Februar 1847 verlor Elisa ihren würdigen, achtundsiebzigjährigen Onkel von Hedemann-Heespen, und im Herbst desselben Jahres starb nach vielen Leiden Henriette Paalzow. Auch die schöne, liebliche Therese von Bacheracht, später mit einem mecklenburgischen Herrn von Lützow verheirathet, dem sie nach Batavia gefolgt war, endete früh, als sie eben in die Heimath zurückkehren wollte, im Jahre 1850. Elisens ältester Jugendfreund, der brave General Friedrich von Petersdorff, der im späten Alter endlich seinen frühen Jugendwunsch, sich auf das Land zurückzuziehen, ausgeführt, und mit seiner Familie nach Plauenthin bei Kolberg gezogen war, aber die Beziehung mit Elisen nie hatte aufhören lassen, und sich in seinen Briefen noch als Achtzigjähriger als ihr »treuer Verehrer und Anbeter Friedrich« unterzeichnete, starb im Mai 1854. Dieser, so wie Möller, Hedemann und Marianne Philipi haben alle ein ungewöhnlich hohes Alter erreicht, wie wenn Elisens innige und treue Freundschaft ihnen ausdauernde Lebenskraft eingehaucht hätte.
Mit Marianne Immermann, die später eine zweite Ehe einging, so wie mit ihrer Tochter blieb Elisa immer im freundschaftlichsten Einvernehmen.
Elisa selbst schwand langsam dahin. So kam der März 1855 heran; gegen diesen Monat hatte sie stets eine besondere Abneigung gehabt, weil ihr so viel Unglück in ihm begegnet sei; im März hatte sie ihre beiden Eltern verloren, Friesen war im März geblieben, und den 20. März, an ihrem Hochzeitstage, hauchte sie selbst den letzten Seufzer aus, im noch nicht vollendeten fünfundsechzigsten Jahre.
Sie war immer bei vollem Bewußtsein gewesen, und erst den Tag vor ihrem Ende verlangte sie zu Bette gebracht zu werden. Der treue Freund wachte an ihrem Lager. In der Nacht rief sie mehrmals nach ihrer Mutter, die sie so sehr geliebt hatte. Wie sie schon nicht mehr reden konnte, sprachen ihre liebevollen Blicke, ihr sanftes Lächeln ihren Dank für die Theilnahme aus, die sie umgab. Die tieftrauernden Freunde empfanden schmerzlich, daß sie durch das Dahinscheiden dieser schönen, edlen Seele einen Verlust erlitten, der ihnen niemals ersetzt werden könne. Wer sie kannte, wird sich ihrer stets mit unbegränzter Liebe und Verehrung erinnern.
Zuweilen geschieht es, daß ein Verstorbener, der uns theuer war, durch all das, was man bald nach seinem Tode von ihm zusammenträgt, erfährt, bespricht, uns wie noch einmal auflebend erscheint, ja vielleicht war er uns niemals vertrauter und näher, als in solch einem Augenblick, wo gewissermaßen sein ganzes Wesen und Sein zu Einem Bilde vereinigt, vollständig vor uns hintritt. Wie eine Blumenknospe, welche bereits von ihrem Stengel abgeschnitten, noch im Wasser aufblüht, und ihren Kelch erschließt, so blüht die Menschengestalt, die der Tod schon gepflückt, in den Thränen unserer Erinnerung noch einmal vor uns auf. So schließen wir denn diese Blätter mit den Worten Goethe's: »Liebreiches, ehrenvolles Andenken ist alles, was wir den Todten zu geben vermögen.« –
Anhang.
Briefe von Immermann an Elisa.
1.
Münster, den 2. Februar 1822.