3.
Münster, den 25. Juni 1831.
Wie könnte ich, meine Verehrte, so frühlingsduftige Worte wie die Ihres lieben Grußes, einen Augenblick unerwiedert lassen? Wäre ich doch nur der Frühling selbst, dem Sie immer so hold gewesen, um alles auf's schönste zu vergelten. Ich danke Ihnen für Ihre Freundlichkeit, ist sie doch lieblicher als alle Gaben des Lenzes. Gewiß hat die blühende Natur auch Ihrem Herzen manches stille Fest bereitet. Möge nur der leidige Medardus Ihnen und allen Kindern der Natur die Freude nicht verderben. Das wäre auch mir sehr genehm, da ich zu großen Thaten hinaus in die Welt will – zum Weltmeer, zum Kampf mit seinen Wogen und Delphinen.
Ihr Staunen über solchen Heroismus wird schnell wie eine Woge sinken, wenn ich sage, daß ich zum Seebade auf der Insel Wangerog (bei Jever im Oldenburgischen Frieslande) mich aufzumachen gedenke. Es ist mir sehr empfohlen. Vier bis fünf Wochen muß ich jedoch noch damit anstehen. Damit wäre denn Zeit genug für die liebe Frau Generalin, sich anzuschließen. Wie würden Sie, eine Tochter des Meeres, mit diesem Elemente mich vertraut machen können, wie mir Muth einflößen, mich auf den Rücken des Oceans, und in dessen Fluthen zu wagen! – Könnte dies nicht wirklich werden, so gönnen Sie mir wenigstens Ihre Erscheinung auf den Wogen oder Dünen, denn wie ich wohl gehört, ist auf Meeren manches Mystische. Bericht soll Ihnen von dem Abentheuer werden; am liebsten mündlich; ich denke nun die lange verschobene Reise nach dem Rhein gleich an die Wassertour zu knüpfen. – Ihnen dann meinen Gegengruß zu sagen, wäre die Krone der Reise.
Viel häusliche Freude ist in diesen letzten Wochen mir geworden durch Besuche von meinem Schwager dem Dichter Krummacher aus Bremen, und dessen Familie; von meinem Sohne zu Lübbecke und meiner Tochter Gessert, die eben jetzt noch bei mir ist, und sich Ihnen mit dem ergebensten Herzen empfiehlt. – Freundin Engels treibt mich, daher ich zum letzten Worte eile – daß Sie mit Ihrem lieben Herzen zugethan bleiben wollen Ihrem innig ergebenen
Möller.
4.
Münster, den 8. November 1831.
Es ist nicht anders, liebe Verehrte, ich muß noch ein Wörtchen Nachruf zu Ihnen herüber lispeln lassen. Wer kann gegen das Getreibe des Herzens. Ich meine Ihnen noch nahe zu sein, trotz den zwischen uns liegenden Strecken,
»Wo im Sande der Weg verzogen fortschleicht.«