der Ihrige

Möller.

7.

Münster, den 30. Dezember 1832.

Wie habe ich doch einen so langen Zeitraum hinschwinden lassen können, theure Gräfin, ohne Ihnen zu danken! Ach! Im Getreibe meines Lebens wollen so oft die liebsten Vorsätze nicht zur Wirklichkeit kommen! – Dennoch habe ich mehr als Sie denken mögen mit Ihnen gelebt. Meine täglichen einsamen Ausflüge in's Freie sind meistens solchem idealischen Leben gewidmet. Wollen die Haiden nichts geben, so müssen mir die Wolken eine Schweiz bilden; da besteig' ich dann mit Ihnen den Rigi, oder wandle mir Ihnen im Haslithal, oder wir schiffen auf dem Lac. Oder ich wiederhole mir den Gang nach Derendorf, wo mir eine Gestalt erschien, die mich wundersam hinzog – bald mich ahnden ließ, daß Sie in derselben verborgen seien – bis ein kühner Blick unter Ihren Hut mir die süße Gewißheit gab. – Schöner, unvergeßlicher Augenblick, kehrtest du mir hier wieder! – Vergeblicher Wunsch! – Bei Ihnen werden die friedlichen, die schönen Künste gefeiert. Mit Freude vornehme ich, daß sich um Herrn Immermann ein auserlesener Kreis bildet, ihn vorlesen zu hören. Die Iphigenie hat hoch gefallen. Möchte ich dabei sein können! Es würde ein Fest für mich sein, das Opern, Conzerte etc. weit hinter sich ließe. So habe ich nirgends sonst lesen gehört. Düsseldorf wird sich zur Kunststadt erheben. –

Ich fasse Ihre Hand! – Liebe, liebe Freundin!

Ihr ergebener

Möller.

8.

Münster, 3. November 1833.