Wie sehr, meine Theure, hat mich Ihre gütige Nachricht erfreut, daß endlich einmal Ihre holde Erscheinung mir hier werden soll. Kaum kann ich diese Freude aussprechen.

Könnten Sie sich entschließen, hier eine Weile zu sein und sogleich an meiner Wohnung, Böselagerhof auf der Hollenbeckerstraße abzusteigen und das Logis zu nehmen! Ich bin zwar ganz allein, aber desto romantischer für mich! Meine Hausgenossin ist nach Elberfeld.

Könnte ich doch durch Eine Zeile von Ihnen erfahren, an welchem Tage Sie hier eintreffen. Ich würde dann auf dem Posthofe um acht Uhr sein und in der Passagierstube Sie begrüßen, und zur Erquickung etwas darbieten. Erhalte ich die Zeilen nicht, so wird doch vom 2. September an, jeden Morgen ein Wesen auf dem Posthofe sein, das bei der Ankunft des Düsseldorfer Wagens nach Ihnen fragt. – Wäre ich ein freier Mann, statt ein gebundener zu sein, ich führe mit Ihnen bis – Hamburg – Holstein! – Mein Herz will schon jubeln, es wird aber geschwind in das Schnürleib der eisernen Nothwendigkeit eingeklemmt.

Und wenn denn auch nur ein Blick von Ihnen jetzt mir werden soll, so muß ich doch dringend bitten, hoffen, flehen, beschwören, daß Sie auf der Rückreise meine unvergleichlichen Gärten sehen wollen. Mein Haus ist reich an Zimmern, ganze Familien sind oft bei mir – dabei reich an gutem Willen – an Liebe! Ich meine letztere besonders jetzt ganz eigen zu fühlen. Es ist mir innig wohl zu Muthe.

Ich muß abbrechen, da ich zu Vinckens zum Mittag gebeten bin. Prinz Wilhelm wird zum zweitenmale erwartet.

Tausendmal grüßt Sie mein Herz! Wie viel öfter noch ruft es: Willkommen! – Wie sind Sie jetzt schon in meiner warmen Phantasie so nahe

Ihrem ergebenen

Möller.

18.

Münster, den 9. November 1838.