Und nun grüßen Sie Immermann auf's herzlichste! und wenn Sie erlaubt haben, daß Ihnen Wilhelm mit allen Gefühlen der Verehrung die schönen Hände küßt – so sagen Sie auch von ihm dem liebenswürdigen Freund, wie warm anhänglich und erkennend er ihm zugethan bleibt! Und Schadow's? Ob mein Briefchen im Rhein ertrunken ist, oder die holde Frau Schadow in den Carnevalsfreuden? – Ein Lebenszeichen empfing ich nicht wieder! Soll ich wagen sie zu grüßen?

Ach! nicht wahr, ob dies Briefchen glücklich hinüberkam, über den vaterländischen Strom – das erfahre ich bald – und von Immermann auch recht viel – und von Ihren holdseligen Gedanken, und in welcher Rubrik ich eingeschoben bin!

Ihre

Henriette P. g. Wach.

[5]: General August von Hedemann.

5.

Berlin, den 5. Juni 1834.

Meine theure Gräfin!

Wie klar und deutlich blicke ich in den Tag hinein, an dem mein letzter Brief mit der Sendung des Freundes bei Ihnen eintraf, und den Sie so reizend schildern, daß ich die Blüthen zu athmen glaubte, die alle wie aufgeblüht für den Dichter ihn begrüßten.

Es ist gar nicht wahr, lasse ich ihm sagen, daß die Blüthen allein diesen Versuch machen, und wenn er ganz ungeduldig ruft »warum die Menschen es nicht auch thun?« – so sage ich, sie thun es auch, aber können nicht alle es zum Duft bringen, oder gar zur Frucht – sie müssen bald den unschuldigen Versuch ermüdet, mit losgerissenen Blättern am Boden streuen, und wenn keiner zur rechten Zeit Acht gab, als sie sich um den kleinen Stiel reihten, so heißt's hinterher, sie haben sich gar nicht bemüht. Mein eigentliches geheimes Frühjahrsgeschäft ist, die Leute zu belauern – etwas ist in Jedem los – mitunter reine, baare Tollheit! etwa daß Spinat Rosen treiben will, oder Salat zum Cactus alatus befördert sein will durch irgend einen winzigen Schuß, den er hier oder dort hin thut u. s. w. – aber am allerlustigsten bin ich selbst, denn ich bin es mir recht klar bewußt, daß ich was will, und recht was tüchtiges, wovon der Herbst soll noch zu sagen wissen – aber was denn? Glauben Sie nicht, daß ich mich ausnehme, und denke, ich wolle keine andere Blüthe als die Wurzel in der grünen Erde mir verheißen kann – sicher habe ich eben so gut als alle, die ich darauf anschaue, etwas im Sinn, wobei die arme Wurzel seufzend sich tiefer in die Erde gräbt, damit das tolle Pflänzchen nicht an seinem Getriebe um alle Lebenskraft kommt. Aber was wäre es denn auch, wenn nicht dieser Frühjahrstrieb die Menschen wenigstens mit dem Gedanken neuer Gewinne erquickte! – –