Ein Wink bedeutete sie, sich zu entfernen.

Der Priester und der Sterbende waren allein. —

Der Seelsorger war ein kräftiger junger Mann von Mittelgröße, galt aber wegen seiner Körperfülle eher für klein, und ein sogenanntes Doppelkinn verlieh ihm vollends dem Äußeren nach einen behäbigen Anschein, welchem jedoch sein lebhaftes Auge und seine rege Beweglichkeit widersprach. Er schritt rasch nach dem Tische und entfernte für einen Augenblick den Schirm von der Lampe, um nach dem Kranken zu sehen, der mit geschlossenen Augen im Bette lag, der farbige Überzug der Polster hob die eingefallenen, scharfen Züge noch mehr hervor, die abgezehrten Arme lagen schlaff über der Bettdecke, nur manchmal zuckte es in den Fingerspitzen.

Der Kranke merkte sich beobachtet, er meinte zeigen zu müssen, daß er wach sei. „Die Gundel,“[3] sagte er heiser, „die Gundel“ — so hieß seine Wärterin — „hat mich wohl verklagt, ich bete ihr alleweil zu wenig, es hilft ja doch zu nichts mehr, nein, es hilft nichts mehr; wenn nur das Versehen[4] helfen möcht’.“

Der Priester trat an sein Lager.

„Herlinger, kennt Er mich denn?“

„Ach ja wohl, freilich, Hochwürden. Hab’ Euch ja rufen lassen, damit Ihr mich einölen sollt, der Doktor meint, er könne nichts mehr richten, da müßt halt Ihr jetzt Eure Kunst probieren. Ich hab’ mehrere gekannt, die es ein paarmal mitgemacht haben und nach jedem Versehen noch eine Zeit herumgelaufen sind. Es ist fast so, wenn man das liebe geweihte Öl auf dem Leibe hat, als könnte der Tod nimmer so hart anfassen, — hihi — man rutscht ihm aus.“

„Nun ja, Herlinger, wenn Gott will, kann er Ihm auch noch Seine Zeit verlängern, aber das Sakrament der letzten Ölung ändert nichts an seinem ewigen Ratschlusse.“

„Und warum nicht? Zu was hätten wir denn dann die hochheiligen Gnadenmittel, als um etwas gegen ihn ausrichten zu können, wenn kein Gebet mehr verfangen will?! Dazu sind sie da, o, ich kenn’ mich aus, ich verabsäum’ es nicht, denn da heißt’s wohl auch: Friß Vogel oder stirb!“

„Herlinger, weiß Er auch, was Er spricht? Regt Ihn etwa das Reden zu viel auf?“