„O nein, nein, Hochwürden. Ich müßt’ ohnedem in einem fort reden, denn mir geht allerhand durch den Kopf. Aber ich laß mich nicht irremachen und wenn ich bei einer Sach’ verbleib’, so weiß ich ganz gut meine Meinung.“
„Gut, doch muß Er auch imstande sein, Müller, auf das zu hören, was ich Ihm zu sagen habe.“
„Ich bin ja noch bei mir, warum sollt’ ich nicht aufmerken können?“
„Ich finde Ihn in einer schlechten Verfassung; Herlinger, das ist keine Vorbereitung zu dem Empfange der heiligen Sterbesakramente, das muß Er ganz anders anfassen, sonst kann ich sie Ihm nicht spenden.“
Das Bett schütterte unter dem Kranken, dem die Angst die Schlaffheit der Glieder löste. „Ihr müßt,“ kreischte er auf, „Ihr müßt! ich gehöre zur Pfarre, habe immer mein Teil und darüber gerne gegeben, Ihr habt mein Geld genommen, Ihr müßt! — Ihr werdet es ja doch nicht über Euer Gewissen bringen, Hochwürden,“ setzte er flehend hinzu, „daß Ihr mich da liegen laßt, ohne Versuch, mir aufzuhelfen?“
„Das ist es eben, Herlinger; Er vermeint, durch die Sterbesakramente bleibe er am Leben, darum verlangt Er nach ihnen. Ihm fehlt die christliche Ergebenheit in den Willen Gottes, Er glaubt wohl gar, es anders erzwingen zu können, Er begehrt keine Gnadenmittel, Er will Wundermittel, und die habe ich nicht. Eine heilige Handlung kann ich aber nicht mißbrauchen lassen, es hieße Spott damit treiben, wollte ich einem Menschen die letzte Ölung spenden, der sich dabei mit dem Gedanken trüge, es möge doch nur die vorletzte oder drittletzte gewesen sein!“
„Tut nur nicht gleich so bös’, hochwürdiger Herr. Ihr wißt freilich besser Bescheid in solchen Sachen wie ich, müßt mir halt sagen, was ich tun muß, daß ich dazu gelangen kann.“
„Wenn Er auf Seinen verfallenen Leib blickt, Müller, dann muß Er sich wohl selber sagen, wie wenig zu hoffen ist und daß Er ganz etwas anderes der Barmherzigkeit Gottes zu empfehlen hätte.“
„Nichts für ungut, — aber wie man sich halt oft so Gedanken macht, — ich begreif’ schon, mit ihm vergleichen muß man sich wohl, daß er es einem im Leben gut geschehen läßt, gut’ Freund muß man wohl mit ihm bleiben, sonst verhagelt er einem die Felder und schickt Kümmernis und Trübsal, aber man vermeint doch, für weiter hinaus könne er einem nichts mehr anhaben! Wenn es aus sein soll mit mir, wozu brauch’ ich ihn dann? Wenn einer verstorben ist, so ist er wohl ganz und gar verstorben.“
„Herlinger, Er ist auch einer von denen, die Gott fürchten wie den Teufel, darum möchte Er ein Ende der Herrschaft absehen. Ich aber sage Ihm, Gottes Macht und Herrlichkeit leuchtet über Lebende wie über Tote in gleicher Helle, und darüber ist keiner so ganz sicher, ob ihm nicht dereinstens vor ihr die Augen übergehen; denn wie keiner weiß, von wannen er kommt, so ist er auch nicht gewiß, wohin er geht, und ich möchte den Allmächtigen nicht versuchen, was er für weiter hinaus mir anhaben, wozu ich ihn noch gebrauchen könnte, denn nach der Zeitlichkeit beginnt die Ewigkeit!“