Der Mond ging eben auf. Es schien eine Nacht anzubrechen, so schön wie andere waren. Wer es nur hätte acht haben wollen! Aber es war schwül geblieben und vom Wetterwinkel zogen schwere Wolken heran, eine erwartungsvolle Stille lag über der Natur. Der Bursche merkte auch darauf nicht.
Plötzlich bebte er zusammen, — jemand kam den Steig herauf. Er wagte kaum seinen Augen zu trauen. Er erhob sich. Es ward ihm freudig zumute, was er zagend gehofft hatte, das erfüllte sich, das Mädchen kam; aber er sah ihr bald bange entgegen, das war nicht liebende Eile, in der sie heranflog, das war ein angstvolles Heranhasten, mit dem sie sich die Höhe hinanarbeitete, er hörte ihre schweren Atemzüge, sie stand vor ihm, und aus leichenblassem Gesichte starrten ihn zwei brennende Augen an.
Unwillkürlich trat er einen Schritt zurück.
Sie lächelte trübe. „Magst mir die Hand schon geben,“ sagte sie. Er faßte die angebotene Rechte, sie war kalt, und lag wie tot in der seinen.
„Ich weiß nun, warum wir nicht zusammen sollen, noch dürfen,“ sagte sie tonlos. „Auch du hast ein Recht, es zu wissen. Ich bin ein Schandfleck auf meiner Mutter Weiberehr’ und nicht des Bauers Kind.“
„Heilige Mutter Anna! — Aber warum tust du dir das zuleid’ und sagst es mir, was bekümmert das mich?“
Da faßte sie ihn leidenschaftlich an den beiden Schultern, und am ganzen Leibe erzitternd, rüttelte sie ihn mit.
„Du bist mein Bruder!“
Er schrie vor Schrecken auf und stieß sie angstvoll von sich. Ihm war, als blickte ihm sein eigenes glanzloses Auge entgegen, als er dem ihren begegnete. Es durchschauerte ihn, als er sie vor sich stehen sah, ihm so ähnlich und so nah verwandt.
Aber noch einmal, das letztemal, wollte er seine Augen auf sie wenden und sie daraufhin ansehen, was sie ihm gewesen, da aber übermannte es ihn, er warf sich auf den Rasen und weinte laut.