Magdalena war an seiner Seite niedergekniet und legte sanft die Hand auf seinen Arm. „Flori,“ sagte sie, „weine nur recht; ich wollte, es wäre mir gegeben, daß ich es da auch könnte. Tu dich nur recht ausweinen, es wird dir leichter werden. Und dann sei gescheit, sei mein braver, lieber Bruder!“

Er richtete sich auf. „Sorg nicht wegen mir. Ich denk’, um mich wird bald alle Sorge übel aufgewendet sein. Nur dich gesegne und behüte unser Herrgott für immer und allzeit, dich — wie ich nun zu dir sagen muß — meine Schwester.“ Er zog sie an sich, und die Lippen beider zuckten in scheuer, flüchtiger Berührung aneinander.

„Leb wohl!“

Er schritt rasch hinweg und trat in das Walddunkel.

„Leb wohl!“

Sie wandte sich ab und ging langsam nach dem Gehöfte.

Plötzlich krallte sich etwas in ihren Rock ein, es war der Weißdorn, sie blieb stehen und löste ihr Gewand von den Dornen los, sie sah, der Strauch war abgeblüht, und sagte: „Ist deine schöne Zeit auch schon vorüber? Gelt ja, das ist uns beiden schnell gekommen? Hältst mich deswegen zurück und möchtest mich gern trösten? Halt ja, dir muß so weh sein um deine Blüh wie einem Menschen um sein Glück. Wir sind schon recht arm, wir allzwei!“

Sie ließ, wie schmeichelnd, einen Zweig durch ihre hohle Hand gleiten und dann ging sie weiter.


„Wo bleibst du denn?“ sagte die Müllerin, als Florian in die Küche trat. „Und, mein Jesus, wie du aussiehst!“