Er hatte das Halstuch gelöst, die Haare hingen ihm wirr in das bleiche Gesicht.
„Wie ich ausseh’? Mich nähm’ wunder, ich schaute anders aus! Ich hab’ den Vater etwas zu fragen. Komm nur mit herein, du darfst es wohl auch hören.“
Sie traten beide in die Stube.
„Kommst endlich heim?“ sagte der Müller.
„Ja, und ganz anders komm’ ich heim, als ich ausgegangen war. Nun meine ich schon selber, daß ich die Reindorfer Magdalen’ in alle Ewigkeit nicht kriegen kann. Aber ich geh’ gern sicher, und darum frag’ ich dich, ob du auch darum gewußt hast, daß sie meine Schwester ist?“
Der Müller senkte den Kopf tief, tief bis auf die Brust.
„O du mein Herr und Heiland,“ rief die Müllerin und richtete ihre feuchten Augen auf den Sohn, „darum sehen sie einander so gleich! Ich war immer in Furcht wegen deinem verbuhlten, gottuneingedenken Wesen. Nun kommt das davon!“
Da fuhr der Müller wild empor. „Was kommt davon? Ich denk’, es kann nun nichts mehr kommen, und damit ist nun alles vorbei und vorüber. Laßt mich zufrieden mit langvergessenen Geschichten, redet mir kein Wort weiter, keines von euch beiden, sonst verschaffe ich mir Ruhe!“
„Mußt nicht so herumschreien, Vater,“ sagte der Bursche, „du würdest doch nur die Mutter einschüchtern, nicht mich, wenn mir um Streit zu tun wäre. Ich hab’ aber nur in Güte angefragt und, wie ich denk’, meine Antwort bekommen. Ich merk’ schon, es geht höllenmäßig christlich auf der Welt zu, und wir alle — wie der Pfarrer sagt — sind Geschwister; so oder so! Und weil mir’s mit einer Schwester so traurig ergangen ist, so werd’ ich mich halt zu den lustigen Brüdern halten. Meinst nicht auch?“
Die Müllerin saß abseit und drückte ihr Tuch vor die Augen, der Müller sah sprachlos zu seinem Sohne auf.