Der aber sagte kurz: „Gute Nacht miteinander!“ und ging aus der Stube.

Die Müllerin erhob sich, um ihm nachzufolgen, aber ihr Mann vertrat ihr den Weg. „Lois,“ sagte er, „geh nicht du auch noch fort von mir, du weißt nicht, wie mir ist. Laß mich jetzt nicht allein, bleib da, du warst immer um mich, wenn mir hart geschehen ist, laß auch jetzt mit dir reden. Ich meine doch, der Jung’ wird noch Vernunft annehmen?“

„Ich weiß nicht,“ sagte sie weinend.

„Ihm steht das wilde Reden gar nicht an. Ich merk’ wohl, es tät’ ihm auch kein gut, wenn er anders werden möcht’. Gelt, du meinst selber, daß er nicht anders wird? Daß er uns verbleibt wie er ist?“

„Ich weiß nicht.“

Und nun saßen sie schweigend nebeneinander, und wenn von Zeit zu Zeit das Weib aufseufzte, dann streichelte der Mann begütigend ihre Hände, als könnte er sich zugleich mit ihr beruhigen.

So saßen sie lange, dann erhoben sich beide zu gleicher Zeit, um ihr Lager aufzusuchen.

Die Mutter schlich vorher noch nach der Kammer ihres Sohnes und lauschte an der Tür, sie hörte laute und regelmäßige Atemzüge; sie war es zufrieden, ihn im Hause zu wissen, denn an seinen Schlaf glaubte sie nicht; er hatte sie wohl herankommen gehört und wollte nicht, daß sie klopfe oder ihn anrufe. Auch den Müller fand sie, als sie zurückkehrte, wie schlafend liegen. Sie alle zogen es vor zu schweigen, sie hatten keine Gedanken zu tauschen, ohne fürchten zu müssen, für das Arge nur Ärgeres zu bieten oder zu empfangen.

Und als in der Mühle und im Gehöfte Reindorfers die Lichter erloschen waren, und als sie alle schlaflos in ihren Betten lagen, da zuckte es in greller Lohe am Himmel auf und das Gewitter brach grollend über der Gegend los, und es war eines jeden selbsteigene Sache, ob er dabei an die Donner des Gerichtes oder an den befruchtenden Regen dachte.

12.