„Du gehst fort?“
„Ja, Mutter.“
Die Bäuerin trat zu dem Wäscheschrank, schloß auf, kramte mit zitternden Händen Stück für Stück hervor und zählte sie der Tochter hin.
Als sie damit fertig war, ging sie eilig nach der Küche, dort stand sie, hielt ihr Fürtuch an das Gesicht und sah mit unterdrücktem Weinen durch die halboffene Türe nach der drallen Gestalt des Mädchens, das zierlich und flink sich umtat, seine geringe Habe in ein großes Tuch zu verpacken.
Sie war bald damit zustande gekommen, hing das Bündel über ihren Arm und ging aus der Stube.
In der Küche stand die alte Reindorferin und blickte wie verloren vor sich nieder.
„Ich geh’ jetzt, Mutter. Behüt dich Gott und bleib recht gesund.“
Das alte Weib schluchzte laut, es drängte sie, sich an die Brust ihres Kindes zu werfen, aber sie hielt etwas in der festgeschlossenen Rechten, das mochte sie wohl behindern, sie faßte nach den Händen Magdalenas und steckte ihr ein Päckchen zu, jahredurch aufgesparte Pfennige zur Wegzehrung, und jetzt hatte sie beide Arme frei, aber sie blieb unbeweglich vor dem Mädchen stehen.
„Behüt dich Gott, und was ich dir sagen muß, bleib brav! Leni, um alles in der Welt, bleib brav!“ Sie weinte neuerdings. Das Mädchen hielt sie scheu an den zuckenden Händen, küßte sie flüchtig auf die tränenden Wangen und ging.
Keines von beiden, wie ihnen auch um die Seele sein mochte, blickte auf. Hättet ihr doch die Augen aufgehoben, ihr wäret euch in die Arme gesunken, ihr hättet eines an dem Herzen des andern geweint, ihr hättet euch nicht der Liebkosung geweigert, die ja doch die letzte — die letzte gewesen wäre!