„Ich merk’, du willst die Leni abpassen: was hast du auch davon? Komm doch lieber gleich mit!“
Der junge Müller aber schritt nur rascher den eingeschlagenen Weg dahin.
Magdalena war gerade bis zu dem Busche gelangt, der ihr jetzt den Anblick des Reindorferhofes entzog, wie er sie einst vor Blicken von dort aus gesichert hatte.
Sie und ihren — Bruder.
Sie brach einen Zweig und trug ihn spielend in der Hand.
Hatte sie nicht einst gehört — von wem, das wußte sie sich wohl nicht mehr zu erinnern —, daß unter den heidnischen Leuten Geschwister zusammengeheiratet hätten, ja selbst Vater und Tochter, Mutter und Sohn? Und wenn es auch Brauch im Lande war, was mußten das für gottverlassene Leute sein! Ärger als die Tiere, die haben doch kein Besinnen, woher sie stammen und brauchen sich nicht darüber hinwegzusetzen, unter Menschen aber schließt gleiches Blut jede Vertrautheit aus. Wie das nur einst möglich war? Und wäre es jetzt noch vor Gott und der Welt verstattet, wer vermöchte es, dazu sich zu verstehen?
„Gewiß, der Vater gäbe mir recht und könnte es nicht anders sagen!“
Bisher hatte sie keine lebende Seele auf ihrem Wege angetroffen und noch lag derselbe, so weit sie blicken konnte, menschenleer vor ihr, aber jetzt wurde es, ihr im Rücken, auf der Straße lebendig.
Sie horchte auf, noch ziemlich ferne fuhr ein Wagen, die Daraufsitzenden sangen und die Luft wehte vor ihnen her und trug ihr die Töne zu und ließ sie die Worte erraten.
Ein Bursche sang: