„Ist gewiß auch deine Mutter dagegen?“
„Freilich.“
„Das ist recht grauslich von deinen Eltern. Schau, wie so alte Leute sind! Weil sie keinen Gefallen mehr aneinander finden und sich leicht entbehren mögen, denken sie gar nicht, was wohl unsereins für ein Verlangen haben könnt und daß sie selber einmal nicht anders waren, sonst liefen wir nicht da auf der Welt herum. Ich denk’, Alte sollten sich doch immer erst besinnen, ehe sie uns Jungen nein sagen. Und gar bei euch zweien! Was ist denn an dem Müller Flori auszusetzen? Ist er nicht ein ordentlicher, braver Bursche? Hat er nicht, oder kriegt er nicht, daß er Weib und Kind vollauf ernähren kann? Geh, ich mag gar nicht darüber reden, sonst kommt mir der Ärger! Ist das auch recht von deiner Mutter, daß sie kein Wort für dich einlegt, wo doch wir Weiberleut’ zusammenhalten sollen, damit wir etwas gegen die Männer ausrichten? Ist das auch gescheit von deinem Vater? Ich meine schon, der ist auch nur im Sonntagsrock, vor den Leuten, klug und zu Haus trägt er einen Spenzer mit einem Loch am Ellbogen und da guckt das Hemd hervor und das ist seine ganze ‚Weißheit‘ für daheim!“
„Mußt nicht ungebührlich reden von dem alten Mann, wo du doch nicht weißt, was eigentlich an der Sache ist; er hat nicht anders können.“
„Nicht anders können? Aber ich bitt’ dich, sag nur, warum denn nicht?“
„Mußt nicht danach fragen, Franzl, das kann ich niemandem sagen.“
Die beiden Mädchen schwiegen eine Weile und schritten wacker aus.
Ein dichter Wald, der linker Hand über alle Hügel sich ausbreitete, war auch nach der Ebene herabgestiegen und zwischen Äcker und Wiesen weit in das flache Land vorgerückt, mitten durch diesen breiten grünen Streif führte nun in vielen Krümmungen die Straße, aber ehe man die erste Wegbiegung erreichte, zweigte ein schmaler Steig ab, der quer den Wald durchschnitt und daher von allen Fußgängern benutzt wurde.
Am Eingange dieses schattigen Waldweges stand Florian und wartete auf Magdalena; als er sie nun in Begleitung herankommen sah, tat er einen leisen Fluch und verbarg sich hinter das Gesträuch.
Die Kleehuber Franzl war kurzbeiniger als ihre Freundin und ihr fiel das Schritthalten bald beschwerlich. „Du, Leni,“ sagte sie, „mußt nicht gar so scharf gehen, da tragen einen die Füße leicht weiter, als man will. Wenn wir so fort daherrennen, kommen wir heut noch bis hinunter in die Türkei.“