Das Wägelchen fuhr aber nicht an dem Hause vorüber, sondern lenkte, ehe es an dasselbe herankam, durch den großen Torbogen, der daneben aufgemauert war.

Auf der einen Seite der Garten, der sich vom Wohnhause ab erstreckte, auf der andern die Reihe von Scheunen und Ställen gaben dem schmalen, langen Hofe das Ansehen eines kleinen, einseitigen Dorfgäßchens.

Ein gut Stück rädelte das Gefährt in den Hof, dann zog Hiesl die Zügel an und klatschte mit der Peitsche.

„Vater, der Ehnl,“ rief eine helle Stimme im Garten.

Und als sich alle vom Wagen geholfen hatten, trat durch das Zaunpförtchen ein Mann in den Hof, dessen Hand ein kleines Mädchen umklammert hielt. „Grüß Gott, Schwiegervater,“ sagte er, „schön, daß mer dich wieder einmal sieht.“ Dann nickte er dem Knechte auf dessen Gruß zu. „Grüß Gott, Hiesl.“

„Grüß dich Gott, Grasbodenbauer,“ sagte der Alte, indem er mit der Rechten die Hand des Schwiegersohnes schüttelte und mit der Linken das kleine Mädchen am Kinne faßte. „Wie geht’s dir denn, Burgerl?“

„Dank’ schön, Ehnl,“ sagte das Kind.

Dasselbe stand in der Größe gegen viele seiner Altersgenossen zurück, dagegen waren, trotz der Zartheit der Gestalt, alle seine Formen entwickelt und nichts Eckiges an ihm zu sehen. Die Bleiche des Gesichtes, welche selbst das Rot der Lippen und der Nüstern des Stumpfnäschen abschwächte, wurde durch die tiefschwarzen Augen und das wirre, krause, gleich dunkle Haar um so auffallender.

Auf den ersten Blick hin hatte die Kleine mit dem Manne, den sie an der Hand hielt, nicht die geringste Ähnlichkeit. Der Grasbodenbauer war groß und kräftig gebaut, er sah „staatsch“ aus, wie die Dirnen meinten, deren manche den hübschen, wohlhabenden Witwer gar verfänglich ansah und sich ärgerte, daß sie das so unverfänglich tun konnte, da er keine erröten machte, indem er ihr mit Gleichem erwiderte. Die beiden Schultern des Mannes trugen einen Kopf, der für die Größe und Stärke der ganzen Gestalt fast etwas zu klein geraten erschien, aber nur der untere Teil des Gesichtes sah wie gedrückt, mit dem kleinen rundlichen Kinne und den hart aneinandergefalteten Lippen, welche dem Munde den Ausdruck von Gleichmütigkeit gaben, wie man ihn an ganz kleinen Kindern findet, doch über der leicht gebogenen Nase zeigte sich, vom goldblonden Haar umrahmt, eine breite Stirne, so klar und offen wie der Blick der großen, tiefblauen Augen unter derselben. Eben eine solche Stirne entwickelte sich bei dem Kinde, und wenn der Winter in das Land kommen wird, wo die Sonne nicht mehr die Wangen bräunt, dann werden auch die des Vaters ihre Farbe verlieren.

Gleich nach der Begrüßung war der Bauer vom Hof auf der weiten Hald’ zum Brunnen geschritten, er winkte Magdalene, die abseit stand, zu sich. „Geh, Dirndl, magst mir schöpfen. Die Augen brennen mir von der Hitz’ und dem Staub.“