„Du Bockkopf, du! Na, brauchst halt nit z’ bitten, ist’s dir recht, so soll sie bei euch bleiben.“
„’s gilt schon, Ehnl.“ Das Mädchen faßte ihn mit ihren kurzen Armen um den Leib, dann rief sie: „He, Leni, komm einmal her, sag’ dir was Neu’s.“ Damit lief sie ihr den halben Weg entgegen, ergriff sie an der Hand und sagte: „Weißt, du bleibst bei uns und sollst mir ein’ Kameradin sein.“
Der Bauer vom Hof auf der weiten Hald’ blickte lächelnd den vom Grasboden an, der die großen Augen größer machte und jetzt, als Magdalena grüßend herantrat, freundlich nickte.
„Will schon ein’ recht brave Kameradin sein,“ sagte diese und meinte es recht gut zu machen, daß sie dabei die Kniee ein wenig vorbog und den Kopf beugte, während sie so zu der Kleinen sprach.
Burgerl aber sagte verdrießlich: „Ja, aber wenn d’ das sein willst, so halt’ dich dabei fein grad, mußt mich nit noch kleiner machen, als ich eh’ bin, und“ — setzte sie lachend hinzu — „so groß bist du auch noch lang’ nit, wie ich klein bin.“
Sie hing sich in den Arm Magdalenens und führte sie in den Garten. Da dieser nun bis auf das letzte Fleckchen abgegangen wurde, Baum für Baum und Strauch für Strauch, dann Beet für Beet, wie sie der Reihe nach mit Gemüse, Nutz-, Arznei- und Zierpflanzen standen, und zu guter Letzt noch der kleine, eigens für Burgerl abgegrenzte Raum, so verstrich darüber Zeit und Weile. Während dieser Wanderung fiel Magdalenen an ihrer kleinen Begleiterin eine eigene Unruhe der Gliedmaßen auf, ein Zucken der Hände und Füße, und das Kind tat manchen scheuen Blick nach ihr, ob sie es etwa deshalb beobachtete.
Die Sonne begann zu sinken, als der Grasbodenbauer über den Hof geschritten kam und über den Gartenzaun rief: „Burgerl, der Ehnl fahrt heim!“
Die beiden Mädchen liefen Arm in Arm aus dem Garten.
Der alte Bauer strich über den Krauskopf der Enkelin, tätschelte ihre Wange. „Sei nur fein brav und bet’ fleißig, Burgerl, so wird dir der liebe Gott schon noch ’n G’sund[14] schenken.“ Dann legte er die Hand auf Magdalenens Schulter. „Der Herr g’segn’ dein Eingang in das Haus! Richt’st was, wird dir’s nit vergessen bleiben.“
Damit ging er nach dem Wägelchen, Burgerl folgte ihm dahin und der Grasbodenbauer, an Magdalene vorbeischreitend, flüsterte ihr zu: „G’wiß nit, zügelst[15] dir ja wahrhaftig kein’ Freud’ damit.“