Rasch erhob sie sich vom Lager, trat an den Wäschschrein und tastete nach dem Feuerzeug.

„Kein Licht,“ rief das Kind, „kein Licht, Leni!“ Aber es sprach das mit so entstellter Stimme, daß Magdalena sich nur schneller mühte, Licht zu gewinnen, und als jetzt der Docht der Kerze aufflammte und sie hinzutrat, da streifte ihr Fuß an die herabgewühlte Decke und im Bette lag das Kind, den kreidigweißen Körper entblößt, jedes Glied desselben unter regellosen, wilden Zuckungen herumgeworfen, das Auge stier, den Mund verzerrt.

Entsetzt stand Magdalena und drückte die gefalteten Hände vor die Brust, aber das Grauen wich, als die Kleine zu klagen begann.

„Sagt’ ich’s? Kein Licht! Nun schreckst dich auch vor mir und magst mich nimmer, wie mich alle scheuen, die Kinder, wenn ich mit ihnen spielen will, die Großen, wenn ich möcht’, daß’s ’gen mich freundlich wär’n. Den Veitstanz, sagen’s, hätt’ ich. Da sieh, wie das ist. Ich bin nit Herr über meine Füß’, nit über meine Händ’, bald auch über mein’ Zunge nit. Unterdrück’ ich’s tagüber mit aller Gewalt, überkommt’s mich nachts nur ärger. O, Leni, ich hab’ doch nix ang’stellt, kein’ Menschen hab’ ich was an’tan, noch ’n Herrgott im hohen Himmel oben beleidigt, z’weg’n leid’ ich denn?“

Da beugte sich Magdalene mit tränenden Augen über sie und ein heißer Tropfen netzte die bleiche Wange des Kindes.

„Um ’n Hals,“ lallte dieses aufgeregt, „um ’n Hals.“

Was wollte es nur, — fragte Magdalene, — doch nicht um den Hals genommen sein, den es unaufhörlich drehte? Da begriff sie, faßte die armen, zuckenden Ärmchen, legte sie sich um den Nacken und hielt sie da fest. „Ich tu’ mich nit scheuen,“ sagte sie dabei, „ich scheu’ dich nit, Burgerl.“

Der Mund der Kleinen verzerrte sich, häßlich, nichtssagend, nur in den Augen, die sich für einen Blick ganz öffneten, sprach es sich aus, daß sie lächeln gewollt.

Ein lange, bange Weile verstrich, so länger, je bänger sie war, dann löste sich der Krampf, die Ärmchen glitten matt und müde herab, das Kind lag ruhig und verfiel in Schlaf.

Leise erhob sich Magdalene, griff die Bettdecke vom Boden auf und breitete sie über.