„Das ist recht schön von dir.“

Weiter sagte der Bauer nichts und doch blickte Magdalene verwundert auf, wie das so zu tiefst heraufgeholt klang aus der mächtigen Brust des starken Mannes, der vor ihr stand.

Jetzt, da er das Kind durch den Garten kommen sah, hob er die Rechte, wie um darauf aufmerksam zu machen, und einen Schritt zurücktretend, sagte er: „Es schickt sich wohl noch, daß ich dir das eine und das andere sag’.“

Nun lief Burgerl hinzu, einen Strohhut auf dem kraushaarigen Köpfchen, den zweiten, den sie in der Hand schwenkte, mußte sich Magdalene von ihr aufsetzen lassen. „Selb’ unter dem verdrückten Strohdeckel guckst noch lieb hervor,“ lachte sie, „hab’ schon gedacht, ich hätt’ mein Spaß, wie ich dich recht mit ihm verunzier’. Nun komm, komm nur mit.“

Sie faßte sie an der Hand und führte sie durch das rückwärtige Hoftor, auf dem Wege, den früher das Gesinde eingeschlagen hatte, hinaus auf die sonnigen Wiesen.

Auf schmalen Fußsteigen, neben den nickenden Halmen, auch quer über manche Fläche gingen sie dahin, „denn ’m schüttern Graswuchs,“ meinte Burgerl, „hilft’s Schonen nit auf und ’n fetten bringen paar Fußtritt nit um.“ Magdalene merkte, daß die Kleine, trotz des anscheinend ziellosen Herumstreifens, eine bestimmte Richtung einhielt.

Vor den beiden Mädchen liefen zwei langgestreckte Schatten einher. Magdalene wies danach. „Wenn die zwei schwarzen Manderln da klein geworden sein, wird die Sonn’ wohl rechtschaffen herbrennen. Schad’t dir’s denn nit, wenn du in der Hitz’ gehst?“

„Ich frag’ nit nach dem bisserl Hitz’,“ sagte Burgerl, „wenn ich gleich kein Mohr bin, wovon der Lehrer sagt, sie täten bei uns zu Land frieren.“

„Geh, hätt’ der Lehrer wohl gar mit ein’ solchem g’red’t?“

„Ei mein, wie käm’ der Alte dazu, daß er ein’ Mohren kennt, außer den beim Krämer auf’n Schild, wo d’runter steht, ‚Tabak und Zigarren‘? Aus sein’ Büchern hat er’s halt, wie alles, was er uns aufsagen und niederschreiben laßt. Gäb’ man die Bücher ’m Heiner, unserm Großknecht, der lest, daß es wie geredet ist, er könnt’ leicht schulhalten an des Alten Stell’, wär’ aber schad’, denn der könnt’ ihm’s nit gleich tun auf’m Feld.“