„No, wie ich merk’,“ lachte Magdalene, „bist du dein’m Lehrer nit wenig aufsässig. Ja, sag’ mal, ist denn heut kein’ Schul’? Am End’ gehst du stürzen[16] und ich halt’ da mit.“

„Schul’ is wohl,“ sagte die Kleine mit trotzigem Lächeln, „aber ich besuch’ keine, seit ich krank bin. Hat’s ja gleich der Alte mein’m Vater nahg’legt, daß ich die dummen Fratzen zur Unzeit lachen mach’ oder fürchten, und seit der Zeit kommt er zu uns auf’n Hof ’gen Abend, wenn er sich schon mit alle andern abgemüd’t hat und lehrt mich, was er denen. Sonntag nachmittags geh’ ich in d’ Christenlehr’ zur Kirch’, aus der haben’s mich doch noch nit hinaus geschafft.“

Eine gute Weile schritten die beiden Mädchen schweigend nebeneinander her. Plötzlich rief Burgerl lustig: „Da sind wir. Jetzt komm, Leni!“ Sie lief auf einen Hügel zu, auf welchem eine knorrige Eiche stand, welche die Krone eingebüßt hatte, dafür wuchsen die Äste am Stumpfe um so mehr in die Breite.

„Gibt dir der wohl genug Schatten?“ fragte Burgerl nach dem Baume weisend. „Und nun schau dich einmal um, da hast du den ganzen Grasboden vor dir liegen.“ Beide Arme von sich streckend, drehte sie sich herum. „Hat er eigentlich nit zu viel, der Vater? Guck nur, ’s ganze Dorf entlang und beidseit’ drüber hinaus, so weit ’s Buschwerk davor und dahinter an der Straß’ lauft, dann die ganze Zeil’, die ’s da zur Seit’ sich streckt, bis wo es das Eck’ macht, in dem du die winzigen Manderln sich umtun siehst, unser G’sind, und von da bis an den Föhrenwald.“

„Der g’hört nimmer dazu?“

„Er g’hört dazu und es führt die Straße durch, die der Vater auf sein’ Grund instand halt’.“

„Es muß ja ganz schön sein im Wald da drüben?“

Burgerl wandte scheu den Blick von der Gegend ab. „Ich geh’ nit hin,“ murmelte sie. Sie setzte sich auf den weichen Rasen zu Füßen des Baumes. „Nun könnt’st dich aber auch schon g’nug umgesehen haben, jetzt komm her, setz’ dich da zu mir in’ Schatten und erzähl du einmal.“ Und als Magdalene an ihrer Seite saß, begann die Kleine sie zu fragen, woher sie sei, wie es wohl in Langendorf und auf dem Gehöfte der Eltern aussähe, nach diesen und nach Geschwistern und zuletzt fragte sie:

„Hast du dort auch einen Schatz?“

Magdalena schrak zusammen, dann schoß ihr das Blut ins Gesicht, sie sah das Mädchen mit einem zornigen Blicke an und sagte: „Nein.“ Es klang hart und rauh.