„Leni,“ rief Burgerl, „sei mir nit bös! Ich hab’ nur gedacht, weil du so lieb bist ... aber freilich wohl, es war dumm, denn, gelt ja, wenn man ein’ gern hat, lauft man nit so weit vom Ort wie du?“

Magdalene empfand es wie ein Unrecht, daß sie sich über die Frage eines Kindes gegen dieses erzürnt hatte. „Burgerl,“ sagte sie leise und drückte mit ihrer Rechten die Händchen, welche die Kleine gefaltet im Schoße liegen hatte, „frag nit. Was weißt du? Is eh’ gut, je länger eins nix davon weiß und je weniger es nachher erfahren muß. Viel Wissen macht da leicht Herzweh.“

So saß sie, ihre Rechte lag über den Händen des Kindes und mit der Linken raufte sie langsam einen Halm um den andern aus. Nach einer geraumen Weile sagte Burgerl: „Gehn wir, Leni. Es ist Zeit.“

Sie erhoben sich und gingen. Burgerl schlug denselben Weg ein, auf welchem sie gekommen waren. Magdalene hatte vom Hügel aus bemerkt, daß der Hof in viel kürzerer Zeit zu erreichen sein mußte, wenn man sich der Straße nach hielt, die vom Föhrenwalde her kam und die Wiesengründe, näher und näher dem Dorfe zurückend, durchschnitt; die Kleine war derselben in einem weiten Bogen ausgewichen. Als daher jetzt, nach einer guten Strecke, dieser Fahrweg in Sicht kam, wollte Magdalene darauf zuschreiten.

„Warum geh’n wir nit auf der Straße?“ sagte sie. „Es is ja weit näher.“

Burgerl wandte den Kopf zur Seite und streckte beide Hände abwehrend von sich. „Da geh’ ich nit,“ rief sie.

„Ja, was schreckt dich denn dort?“ fragte Magdalene. Da sah sie in einiger Entfernung, hart an der Straße, eine niedere Mauer, über welche Grabsteine und Kreuze ragten. „Der Freithof doch nit?“

Burgerl nickte.

„Geh, Kindisch, wirst dich doch nit vor den Toten fürchten? Sei kuraschiert, komm! Liegt ja wohl auch dein’ Mutter dort?“

„Eb’n die, eb’n die,“ schrie das Kind, dessen Hände und Füße zu schlottern begannen.