Da lud diese es auf die Schulter, das wackelnde Köpfchen auf der Achsel, die schlaffen, baumelnden Ärmchen über dem Rücken, eilte sie die schmalen Steige dahin.
„O, was ich dir Beschwer mach’, Leni,“ klagte das Kind.
„Sag lieber, ich hätt’ können g’scheiter sein. Steh’ und dreh’ mich da auf ein’m Fleck und find’ kein Weiterkommen, red’ hin und red’ her, wo ich dir doch anmerken konnt’, es taugt nit, ich dumm’s Ding, ich!“
Eine Strecke Weges schalt Magdalene sich selbst, da flüsterte ihr Burgerl ins Ohr: „Mußt dir nit nah’ tun, — tu dir nit nah’, — nur bleib du bei mir.“
„Wir bleiben schon zusammen, Burgerl!“
Der Hof lag in mittäglicher Öde, Magdalene erreichte ungesehen das Dachstübchen, sie ließ die Kleine aus ihren Armen auf das Bett gleiten, da stand sie erst mit fliegendem Atem, die Hände an die Brust gedrückt, in der das Herz heftig pochte, dann zog sie sich einen Stuhl heran und setzte sich und faßte die Hand der Kranken.
„’s g’schieht nimmer,“ sagte sie.
Gegen Abend trappelte es die Treppe herauf, ein langer, hagerer Mann mit eingesunkener Brust schob sich zur Türe herein. Die welke Haut seines Gesichtes spannte sich über seinen Backenknochen, er trug eine Brille auf der Nase und auf dem Kopfe mit dem spärlichen, weißen Haare saß eine Tuchkappe, an der war auch die Unbill der rauhen Jahreszeit vorgesehen, eine Handbreit Stoff war aufgeklappt und eingeknöpft und wenn man die aufknöpfte und herabzog, so schloß die Mütze wie ein Helm.
„Ei, wieder im Bett? Hm, hm,“ hüstelte der Alte.
„Ja, da ist wohl heute nichts für Euch zu tun,“ sagte Magdalene, „wenn Ihr der Schulmeister seid?“