Der Schulmeister beteuerte seinen guten Glauben, in der Weise wohl etwas richten zu können, und der Grasbodenbauer war es zufrieden. Burgerl zog freilich sauere Gesichter, wenn sie nun jeden Donnerstag den Alten zweimal die Treppe heraufstampfen hörte und wenn er sich gar Sonntags bald nach Tische einstellte, aber an dem Vormittage mußte er sie wohl frei geben, denn da hatte er in der Kirche die Orgel zu spielen, oder, wenn ein Hochamt war, die Geige zu streichen, wozu die andern zu Ehre Gottes darauf los paukten und trompeteten, als ob sie des Teufels wären.

Vier Wochen waren verstrichen, seit sich Magdalene auf dem Gehöfte des Grasbodenbauers befand, wieder war es Sonntag geworden, rings lag alles in feiertäglicher Ruhe, ein Teil des Gesindes, der den Nachmittag frei hatte, war gleich nach dem Mittagessen auf und davon gegangen, der andere Teil, der heim bleiben mußte, zerstreute sich und zogen sich die einzelnen oder ihrer etliche zusammen nach einem schattigen Winkel zurück. Mägde vertrauten sich ihre Heimlichkeiten an, sagten sich alles Schöne und anderen alles Üble nach, besonders den gottlosen Buben, und diese hielten es ganz gleich mit den „verhöllten“ Dirnen. Von den einzelnen ging müßig, wer dazu Lust hatte, wer sich aber Arbeit wußte, der beschäftigte sich nützlich, manche Dirne setzte ihre schadhaften Kleidungsstücke sorglich instand und tat dann wohl auch ein übriges für die ihres Schatzes, und dieser, wenn er sich anders darauf verstand, Schuhzeug zu nageln, vergalt ihr an den Füßen, was sie ihm an den Armen, auf dem Rücken, oder sonst wo, gebessert. Alle aber erfüllte der tröstliche Gedanke, daß sie, die Heimbleiber von heute, über acht Tage die Herumtreiber sein werden, und das Vergnügen, das sie sich davon versprachen, kosteten sie schon jetzt vor.

Als der Lehrer in Burgerls Stübchen trat, nahm Magdalene eine Näharbeit mit sich, stieg die Treppe hinab, um in den Garten zu gehen, unten im Flur angelangt, sah sie den Bauer an dem Türpfosten lehnen.

Ja, wie sie mit dem Grasbodenbauer daran war, das wußte sie nicht. In der ersten Woche hatte die alte Sepherl, die gerade an Hüftweh litt, sie gebeten, ein Schaff Wasser nach der Küche zu tragen; das Schaff war groß und trug sich schwer, der Bauer, der nahe stand, trat rasch hinzu, wollte anfassen und es mit ihr zu zweien tragen, aber Magdalene wollte sich nicht um alle Welt untüchtiger wie das alte Weiblein zeigen, das sich so oft damit schleppen mußte, daher sagte sie lachend: „Aber was dir nur einfallt, Bauer, wirst mir doch nit helfen wollen des klein Lackerl Wassers wegen? Bei der alten Sepherl kommst nie auf den Gedanken.“ Der Bauer errötete und lachte auch, dann aber sah er sie ernst an und sagte: „Weißt, weil dir solch’ Arbeit nit zukommt,“ damit wandte er sich ab und seither, wenn sich auch Gelegenheit dazu schickte, war er ihr nie mehr beigesprungen und sprach nur wenig mit ihr, freilich dieses Wenige so freundlich, wie es den meisten Leuten gegenüber seine Art war. Ließ er sie sich nur Burgerls wegen auf seinem Hofe gefallen und stand sie ihm weiter nicht zu Gesicht?

Anders verhielt sich’s mit Heiner, dem Großknechte, den Burgerl so gerühmt hatte, der ließ es Magdalene gleich nach den ersten Tagen und seither bei jeder Begegnung merken, daß er ihr nur zu gut wäre, und darum wich sie ihm immer sorglich aus.

Der Bauer also, mit dem sie sich nicht aus wußte, lehnte an dem Türpfosten, als er sie jetzt herankommen hörte, wandte er sich nach ihr um.

Es dünkte ihr nicht schicksam, so ganz ohne Ansprache an ihm vorbeizuschlüpfen, sie deutete hinter sich nach der Treppe und sagte: „Der Lehrer is oben.“

„Ich weiß’s,“ sagte er, „und wart’ eb’n auf dich.“

„Ei, du mein,“ verwunderte sie sich.

„Komm mit, ich will mit dir von der Burgerl reden.“ Er schritt des Weges voran.