15.

„Künftig’ Donnerstag is Kirchtag,“ das sagten sich alle im Orte, einer dem andern, obwohl es jeder und jede wußte und es keinem gesagt zu werden brauchte; das Alter dachte dabei seinen Spaß, die Jugend ihre Lust zu haben und die Erwartung macht mitteilsam.

Am Frühmorgen des Tages, der dem Feste voraufging, kniete Magdalene an einem Gemüsebeete, sie hatte Grünzeug ausgestochen, nun aber lugte sie mit langem Halse zwischen den obersten, schwanken, schütteren Zweigen der Hecke hindurch, die diesen rückwärtigen Teil des Gartens vom Grasboden schied. Über die Wiese kamen der Bauer und der Knecht Heiner dahergeschritten. Dunkel und scharfumrissen hoben sich in der klaren, farblosen Morgenluft die beiden Gestalten ab, regten die Arme, öffneten und schlossen den Mund, doch der Entfernung wegen und weil der Wind ihnen entgegenstrich, war kein Laut hörbar, das nahm sich so lustig wie ein großes Schattenspiel aus und man hatte es obendrein umsonst.

„Morgen werd’n mer die Neue probier’n,“ sagte der Knecht.

„Wen?“ fragte der Bauer.

„No, die Leni, ob die auch brav tanzt.“

Der Bauer runzelte die Stirne. „Hast du was mit ihr?“

„Noch nit.“

„Wär’ mir lieb, du fangest auch nix an mit der. Möcht’ nit, daß ihr was in’ Kopf g’setzt würd’, was s’ mir ’leicht von der anvertrauten Obsorg’ abwendig machte. Verstehst?“

„G’wiß! Jetzt find’ ich mich schon z’recht. Denklich, hast ihr’s wohl auch schon zu versteh’n geb’n und sie weicht mir aus, weil s’ fürcht’, daß ’s ein Verdruß setzt?“