Die Kleine tätschelte mit beiden Händen seine Linke, die er ausgestreckt über dem Tische liegen hatte. „Aber, Voda, wie konnt’ ich mir denken, daß du wild darüber würd’st, wann dich a saubere Dirn’ sauber find’t?!“

Der Bauer zog die Hand zurück, aber nur um sie vor den Mund zu halten, so saß er und begann spielend die Messerklinge in das Tischtuch zu bohren, ein Vorgang, dem Burgerl volle Aufmerksamkeit schenkte; sie zog ihre Kniee auf den Stuhl hinauf und rückte mit dem Oberleibe über die Tischkante hinvor, nach einer Weile sagte sie: „Voda, jetzt wär’ ’s Loch grad groß g’nug, daß man’s noch stoppen kann.“

„O Himmelsapperment,“ rief der Bauer, „hätt’ ich jetz ta Bäu’rin, die tät’ nit übel schelten, bin ich froh, daß ich keine hab’!“

„Wirklich?“ fragte Burgerl.

„Ja, wirklich! Klebere Meerkatz’, du! Wann mer nit fürchten müßt’, daß mer dich hart angreift ...“ Das hatte der Grasbodenbauer zornig herausgestoßen und damit war er vom Stuhle emporgefahren und nun ging er mit langen Schritten in der Stube auf und nieder; plötzlich hielt er vor seinem ungeratenen Kinde inne und sagte nochmals: „Wirklich! Verstehst?“, fügte aber sofort, aufs neue erbost, hinzu: „Na, was soll das dumme Vogelg’schau, das möcht’ ich wissen?!“

Burgerl hielt nämlich das Köpfchen stark zur Seite geneigt und beäugelte so die überlange Gestalt ihres Vaters, etwa wie ein Rabe vom Gartenkies nach einer Baumkrone lugt. Ob sie überhaupt nicht willens war, ihren Vater wissen zu lassen, was er zu wissen verlangte, oder ob sie es nur unterließ, weil Tritte auf der Treppe hörbar wurden? Genug, sie zog an dem untersten Knopfe der Weste des Grasbodenbauers und sagte mit sehr freundlichem Lächeln: „Die Leni kommt!“


Am nächsten Morgen rauschte ein dichter Gußregen nieder, außen plätscherte es von den Traufen und gurgelte in den Rinnsalen. Die Föhrndorfer wurden darüber sehr angehalten; der heilige Kirchenpatron — meinten sie — hätte sich wohl auch um seiner Verdienste willen zu seinem Festtage vom Himmel schönes Wetter ausbitten können! Mit vorwurfsvollen Blicken sahen sie nach den grauen Wolken und mit schmerzlichen nach dem zurechtgelegten Putze, der dem Verderben geweiht schien, die Kleinmütigen! Keinem kam der Gedanke, der Heilige habe sie wohl nur prüfen wollen, und nicht einer fühlte sich hinterher beschämt, daß alle diese Prüfung so schlecht bestanden hatten.

Ein Wind, der unten auf der Erde kaum an die Wipfel der Bäume rührte, ein sogenannter oberer, fegte die Wolken vor sich her, bald stand die Sonne am freundlichen klaren Blauhimmel. Am dunklen Waldsaume an den Nadeln der Föhren und auf der grünen Matte an Halmen, an den Kelchen und Stielen der Spätblumen sprühten die abrinnenden Tropfen. Durch die Dorfgasse schritten die Leute der Kirche zu, schmuck und sauber, fröhlich und heiter plaudernd, und aus dem Gotteshause tönten Sänge und Klänge.

Das mochte dem Heiligen, dem es zur Ehre geschah, wohl gefallen, auch später, als die bunte Menge aus der Kirche strömte und sich zwischen den Marktbuden drängte und stieß, konnte er auf dieses fröhliche Gewoge und Getreibe noch freundlich lächelnd herniederblicken; aber bald lief das junge Volk in Scharen und das alte folgte bedächtig in Gruppen nach Orten, die keineswegs zu andächtiger Sammlung einluden, und die Sänge und Klänge, die von diesen Stätten heraufschallten, standen in merklichem Gegensatze zu den früher gehörten, dazwischen mischten sich Schreie und Seufzer, die mit Gnadenschreien und Zerknirschungsseufzern nicht die mindeste Ähnlichkeit hatten, und als das große Himmelslicht zur Rüste gegangen war, dröhnte und kreischte es immer wirrer und wüster von da unten. Der helle Mond tat redlich das Seine und die klare Luft das Ihre, daß alles, was da in der Tiefe vorfiel und verlautete, hübsch zu sehen und zu hören blieb, an den beiden lag es sicher nicht, daß der Heilige das Himmelsfenster plötzlich zuwarf. Ach, daß ihm doch jedes Jahr der Tag, auf den er sich so freut, verdorben werden muß!