Der unternehmende Junge von vorhin schrie dazwischen: „Und die Welt wär’ schon schön, wüßt’ man nur, was man darauf anfangen sollt’.“ Da diese nachdenkliche Äußerung weder dem Müllersohne noch dem Kohlenbrenner zugunst oder ungunst geredet war, so passierte sie unangefochten; der Bursche blickte stolz um sich, denn er hatte mitgesprochen.

Florian, der den Kohlenbrenner eine Weile mit großen Augen angesehen, lachte jetzt höhnisch auf. „Ich glaub’ gar, du traust mir nur darum nicht zu, daß mir anders zumut’ sein könnt’ als euch, weil du nicht gerne zurückstehen willst, du warst ja vor mir der ganz besondere Lump vom Ort, und dich kränkt wohl, daß du jetzt nicht wie früher das große Wort führen sollst?“

„Das ist Unsinn geredet,“ brummte der also Angeschuldete.

„Kein größerer, als wie du vorhin vorgebracht hast. Um eine Dirn’ ist’s hergegangen, meinst du? Allein um eine Dirne?! Dabei war eine, das ist sicher und ihr alle wißt davon. — Redet mir nur keiner ein Wort darüber, nehmt keiner den Namen ins Maul, ihr wißt, das macht mich wild! Nun, meine ich doch, ihr kennt mich als einen, den man schon mit guten Fäusten eine Weile drücken kann, ehe er aufschreit: ihr mögt euch denken, blaue Flecke hätte es wohl gegeben, — und die wären halt ja geblieben für alle Lebzeit, — aber wenn ihr merkt, daß es mehr gegeben hat, daß es mich abseit geworfen hat von aller hergebrachten Art und Weis’, so könnt ihr doch von selber auf den Glauben kommen, daß es um etwas mehr hergegangen ist, als um eine Dirn’, die ich nicht hab’ haben sollen! Um was mehr, das kann ich nicht aussagen, das muß ich bei mir behalten. Darauf möcht’ mir vielleicht einer von euch noch sagen: gar so was Arges könnt’ es nicht gewesen sein, denn die mitbetroffene Dirn’ hat ihren Teil geduldig auf sich genommen. Wohl, aber ein Weib ist da wie von Lehm und der Mann wie von Stein, und worunter sie noch zur Seit’ weichen kann, darunter zerbröckelt er. Und wenn einen das Schicksal so hinlegt wie einen fiebernden Kranken, da kommt es auch darauf an, was für ein Trank in der Hausapotheke zur Hand ist, ob gut’ ehrlicher Rat oder schlecht übel Beispiel. Und geh’ ich an dem Schicksalsfieber darauf, wen bekümmert’s? Mich am allerwenigsten.“ Er strich mit der flachen Hand über den Tisch. — „Es wäre gerade kein Muß gewesen, daß ich euch all das zu Gehör’ rede, es ist nur geschehen, damit jeder weiß, ich habe mein’ Teil erlebt und es braucht bei mir nicht erst ein Vornehmen, um ein anderer zu sein als ihr, und in Wahrheit lass’ ich mich auch nicht gerne mit euch vergleichen, denn da, wo ihr aufhört, da heb’ ich erst an. Glaubt es, oder glaubt es nicht. Ihr könnt mich ja erproben. Nennt mir ein Beginnen, der Red’ wert, an das sich keiner von euch herantraut, ich führ’ es aus!“

„Ich wüßt’ eins,“ schrie der Unternehmende, „damit ist noch keiner aufgekommen, einen Eimer auf einen Sitz trinken.“

„Das wär’ ein Stück so groß und so dumm wie du selber bist,“ sagte Florian.

„Was können die mitreden, die von nichts noch wissen,“ meinte der Kohlenbrenner. „Willst wirklich an was heran, wovon neuzeit noch jeder seine Hände ferngehalten hat?“

„Möcht’ ich es sonst sagen? Ich meine nur, wir haben es da herum in der Gegend an keinem Unfug fehlen lassen und dir wird nicht leicht was Neues beifallen.“

„Darf es nicht ein wenig aus dem Wege liegen?“ fragte lauernd der Kohlenbrenner.

„Wenn es was Rechtes ist,“ sagte Florian, „so geh’ ich drei Tag’ weit danach.“