„Guten Abend, Reindorfer, wie geht es?“ fragte der Pfarrer; er war die Zeit über noch beleibter geworden, aber er hatte seine Lebhaftigkeit eingebüßt.

„Ich küss’ die Hand, Hochwürden,“ sagte der Bauer. „Schlecht geht es, recht schlecht. Ich schreib’ gerade an die Magdalen’, auch der Liese hab’ ich Botschaft sagen lassen. Es ist nur, daß die Kinder es wissen, zu sehen verlangt sie sich keines. Ich soll die nur zulassen, wenn sie aufgebahrt sein wird.“

„Sonderbar, die Kinder will sie nicht um sich?“

„Nein. Ich werd’ sie wecken, hochwürdiger Herr, damit sie beichtet.“

„Laßt es gut sein. Ich will es schon abwarten, bis sie von selbst wach wird.“

„Ich bin wach,“ sagte die Kranke plötzlich.

„So will ich Euch Beichte hören, Reindorferin.“ Der Pfarrer setzte sich an das Bett der Sterbenden, der Bauer wollte sich entfernen, aber sie machte eine heftige Bewegung, als wollte sie ihn zurückhalten, so daß der Seelsorger sich rasch erhob und sagte: „Bleibt nur da, Reindorfer.“

Der alte Mann trat zurück an den Tisch und stützte den Kopf in die Hände. Es rührte und regte sich nichts, nur das Geflüster und leise Geschluchze der Beichtenden drang eintönig an sein Ohr.

Der Pfarrer bewegte sich etwas unruhig, er sprach der Bäuerin Trost zu, betete dann und machte das Kreuzeszeichen über sie.

Er erhob sich und trat auf den Bauer zu. „Reindorfer,“ sagte er, „Sein Weib ist nun mit Gott versöhnt, aber ehe ich ihr das heilige Abendmahl reiche, begehrt sie noch Seine Verzeihung für all das, womit sie sich gegen Ihn versündigt hat. Reindorfer, Er ist ein Christ, habe ich es nötig, Ihm viel Worte darüber zu machen?“