An Ort und Stelle angelangt, trat der Bürgermeister an die beiden leblosen Körper heran. „Da haben wir den ganzen Tatbestand liegen,“ sagte er. „Nehmt sie auf!“
Die Leute griffen zu und trennten mit Mühe die beiden Leichname voneinander, sie legten dieselben, an denen fast jeder Knochen lose hing, vorsichtig auf grobe Pferdedecken, wickelten sie in selbe ein und hoben sie auf den Wagen.
Im Dorfe aber hatten die, welche zunächst standen, als die alte Fehringer mit dem Bürgermeister sprach, die Kunde durch die Gasse getragen, der Leutenberger Urban und noch einer von Langendorf hätten sich in der Schlucht erfallen und man sei eben hinaus, die beiden einholen; da begann ein Klöpfeln an allen Fensterscheiben und ein Pochen an allen Haustoren, das mußte ja allen gesagt werden, das durfte doch keiner verschlafen und da wollte auch jeder dabei sein, wenn sie den Leutenberger einbringen. So kam ganz Zirbendorf auf die Beine.
„Noch vor ein paar Stunden hab’ ich sie in der Schmutz-Kathrin’ ihrer Schenke zusammensitzen sehen,“ sagte wichtig der bucklige Taglöhner. „Da haben sie noch abgeredet, sie wollten sich erst morgen messen, schau, so sind sie schon heut übereinander her! Aber einen Ausgang hat es genommen, wie man sich nicht hätt’ vorstellen mögen!“
„Wir sind doch rechte Narren, liebe Leuteln,“ sagte ein alter Bauer, „wir stehen da und warten, wo sie doch nur zuletzt mit dem leeren Wagen angefahren kommen werden. Nach der Kirche müssen wir hin, freilich, nach der Kirche, das erste wird sein, daß sie die zwei dort in die Totenkammer hineinlegen.“
Das mochte schier wahr sein. Da liefen alle, denen es die Jahre erlaubten und die noch rüstig waren, die Gasse hinunter, die anderen hasteten hinterher nach, und sie keuchten die Stufen nach dem Kirchhofe hinan; oben angelangt, sahen sie einen feurigen Streif von der Straße nach einem schmalen Fahrwege ablenken, der im Rücken der Kirche nach der Höhe führte.
Der Kirchendiener stand erwartend unter dem Gittertore des Friedhofes, die schwarze, eisenbeschlagene Tür der Leichenkammer war sperrangelweit offen und der dunkle Raum gähnte von der Kirche her, manchmal zuckte in demselben der Schein eines schwachen Ölflämmchens auf.
Der Wagen des Bürgermeisters kam angefahren, man sah bei dem Lichte der Fackeln zwei verhüllte, formlose Massen darauf liegen.
Ein paar Männer faßten an und hoben einen der Körper von dem Fuhrwerke, sein Gewicht machte sie wanken, noch zwei andere sprangen zu.
„Der nimmt’s noch als tot mit mehreren auf,“ murmelte einer der Träger.