Der Mitteregger stand an dem Hause und sah durch ein Fenster in die Stube, dann klopfte er an die Scheibe.

Innen horchte der Müller auf. „Lois, ich glaub’, es ist jemand außen.“

Die Müllerin nickte froh. „Der Florian wird es sein.“

Er war es!

18.

Als er tot war, sprachen die Leute anders.

„Er ist von Haus aus ein guter Bursch’ gewesen!“ — „Freilich, er wär’ auch nie verwildert, hätte man ihn nur die Reindorfer Leni heiraten lassen!“ — „Weiß der Himmel, was dem Alten eingefallen ist, daß er sie ihm verweigert hat!“ — „Er ist halt doch schon zu viel alt, der Alte.“

Und am Abende vor dem Tage, wo er begraben werden sollte, verließ ein kleines Mädchen Zirbendorf, lief barfuß die ganze Nacht durch und kam den Vormittag darauf in Langendorf an; es schlich nach dem Friedhofe, verbarg sich hinter einem Leichensteine und blickte scheu von seinem Verstecke nach zwei offenen Gruben.

Der Pfarrer hatte die Beerdigung der beiden Toten seines Sprengels auf einen Tag und die gleiche Stunde angeordnet, möglich, daß er eine Begegnung der Leidtragenden wünschte.

Zur selben Zeit, als sie in der Mühle den Sarg hoben, schlossen sie den im Reindorferhofe. Der Bauer stand abseits und da fiel sein Blick auf das Tischchen, an dem er vor drei Nächten schreibend gesessen, als der Pfarrer die Sterbende besuchte, es war in einen Winkel gerückt worden und noch lag der Brief an Magdalene offen darauf. Er schüttelte den Kopf, wie er so vergessen hatte sein können, setzte sich hinzu, und fügte hastig einige Zeilen bei. „Der Brief ist in der Wirrnis liegen geblieben, weil vorgesehen und unversehens zugleich uns viel Trauriges überkommen hat. Erschrick nicht, Magdalen’, vorgestern früh ist deine Mutter gestorben und in der Nachtzeit haben sie den Müller Florian tot heimgebracht. Du wirst wohl schon darum wissen, wie sich das geschickt, denn es war groß Gered’ darüber und im Kreisblatt ausführlich beschrieben; wie der Lehrer sagt, auch in den großen Stadtzeitungen. Tröste Gott allbeide! Zurzeit, wo ich den Brief in den Postkasten werfe, sind wir eben auf dem Wege, sie zu begraben.“