Dann schloß er das Schreiben, erhob sich und trat hinter den Sarg, der eben hinausgetragen wurde, und als der eine Leichenzug das Gehöft verließ, kam der andere die Straße herunter und so bewegten sich beide langsam dahin und blieben sich immer in Sicht.

Als sie bei dem Krämer, der zugleich Posthalter war, vorüberschritten, trat der Alte aus der Reihe und warf den Brief in den Sammelkasten, dann nahm er wieder seinen Platz an der Spitze der Leidtragenden ein.

Sie gelangten in die Kirche, dort mußten sie warten, bis der andere Leichenzug nachkam, die Särge wurden nebeneinander gestellt und die Einsegnung fand statt.

Dann zogen sie nach dem Kirchhofe, eine Schar hart an der anderen, wie eine Reihe Trauernder um zwei Heimgegangene. Man senkte die Leichen in die Tiefe und streute Erde über sie, da rieselte der Sand hernieder, eine derbe Scholle oder ein Stein schlug polternd auf, dann ward es stille und die Überlebenden gingen von den Toten.

An dem Tore des Friedhofes trafen der alte Reindorfer und der Müller aufeinander, da traten die Leute zurück und ließen die beiden zusammen hinausgehen, der Müller griff an den Hut und murmelte einen unverständlichen Gruß.

Aber der alte Bauer wies hinter sich nach den Gräbern und sagte bitter: „Zwei sind daran gestorben, ist viel auf einmal, gelt?“

Da suchte ihn der Müller an der Hand zu fassen. „Reindorfer“ — er preßte die Linke an die Brust —, „da drinnen, da drinnen ...! O, ich war glücklicher als bettelarmer Herumstreicher!“

Er, der Reichste in der Gemeinde! der Stolzeste!

Der Alte entzog ihm die Hand nicht und so gingen sie ein paar Schritte, als er aber dem Pfarrer die Absicht anmerkte, heranzukommen, da machte er sich rasch frei. „Erbarmen tust mir,“ sagte er, „zu mehr beredet mich niemand. Reu’ kommt des Weges von der anderen Seite und bringt nichts zurück.“ Er wandte sich und ging hinweg.

Der Müller hatte, wie es sein Brauch war, aufhorchend den Kopf gesenkt, er erhob ihn auf dem ganzen Heimwege nicht wieder. Hörte er vielleicht auf das Schluchzen des Weibes, das an seiner Seite ging? Er fand nur um so weniger Mut aufzublicken.