Sie löste die Hände und preßte sie gegen die schwer atmende Brust. „O, du mein Herr und Gott! Nix mehr von der Lieb’, die ein’m so weh’ mitspiel’n kann! Wie recht hat der Bauer, daß er nach keiner zweiten sucht; auch ich hab’ ’s sattsam am Erlebten, soll’s tot sein und begrab’n mit’m — —“

Sie schauerte zusammen und auf ihrem Schoße knitterte das Papier.

„Jesus! Maria!“ rief sie und drückte die Hände gegen die Stirne und spreitete die Finger über die Scheitel. „Es muß sich ja was zutrag’n hab’n! ’s muß ihm ein Unglück g’schehn sein?!“

„Magdalen’,“ schrie der Grasbodenbauer.

Sie erhob sich rasch und sah ihn mit hastigen Schritten herankommen, der Schullehrer und Burgerl folgten ihm nach.

„Magdalen’,“ sagte der Bauer tief Atem schöpfend, „grad hat mer der Schulmeister aus der Zeitung eine schreckbare G’schicht vorgelesen, die sich dort herum, wo du heim bist, zutrag’n hat. Denk’, du wirst auch darum wissen woll’n und hab’ ’n gebeten, daß er uns ’s nochmal vorlest. Seid also so gut, Schulmeister. Horch nur auf!“

Und der Lehrer begann nun einen weitschweifigen Bericht über den „Raufhandel mit tödlichem Ausgange zu Zirbendorf“; der Eingang ließ es nicht an den üblichen Bemerkungen über die Roheit der ländlichen Bevölkerung fehlen und den Schluß bildete der mit peinlicher Genauigkeit nachgeschriebene Befund der Leichenschau. Der Lehrer las das Ganze fertig, aber eintönig herunter, nur wo er einer Stelle besonderen Nachdruck verleihen wollte, erhob er die Stimme.

Bei der Schilderung des Absturzes der beiden Ringenden schrieen Magdalene und Burgerl, die sich an die Freundin angeklammert hielt, zugleich auf, als es aber zur gerichtsärztlichen Beschreibung der zerschmetterten Körper kam, da schrie Burgerl plötzlich: „Um Jesu willen, Leni, was hast?“ und riß dem Schulmeister das Blatt aus der Hand.

Der Bauer hatte bisher mit in die Zeitung geblickt, Jetzt sah er auf, in ein todbleiches Gesicht, aus dem, wie irre, zwei dunkle Augen starrten. „Was ist dir?“ fragte er erschreckt.

„Nichts,“ kam es ihr tonlos aus trockener Kehle und der Kopf sank ihr nach der Brust.