„Das versteht sich,“ beteuerte der Wirt, „das versteht sich doch. Wir gehören alther zu einer verschwiegenen Bruderschaft, ’n Männern Hörner aufsetzen und ’n Weibern Stroh in d’ Zöpf’ flechten, das därf mer nit verlauten lassen, sonst könnt’ den einen einfallen, z’ stoßen, und d’ andern möchten uns in d’ Haar’ g’raten. Übrigens, du könnt’st mer’s übel eintränken, wenn ich über dich plauder’, brauchtest bloß mein’ Alte aufz’klären, daß ich nit der Ausbund bin, für den ich mich gib und für den sie mich nimmt; geg’n die spiel’ ich ’n Nachsichtigen und dös is ’s einzige, was mich ihr überlegen macht, wußt’ die erst, daß sie mir grad so viel vorwerfen könnt’, wie ich ihr, dann g’nad’t mer kein Gott und half mer kein Teufel! Komm, gehn wir durch d’ Kuchel. Schau dir’s an, mein Weib.“

Die Wirtin war ein kleines, kugelrundes, aber sehr behendes Frauchen, unter der ehrbaren Haube guckte ihr über den sorgfältig geglätteten Scheiteln ein widerspenstiges Haarschöpfchen hervor. Sie sah mit ihren großen, braunen, brennenden Augen den Müller aus Langendorf forschend an, der ihr als „lieber, alter, guter Freund und Ehrenmann wie unsereins“ vom Wirte vorgeführt worden war; während dieser in den Hof trat, um den Wagen instand setzen zu lassen, sprach sie laut und lebhaft mit dem Gaste, schlug ihm ein paarmal auf die Schulter und zum Abschiede faßte sie ihn mit beiden Armen über den Ellbögen, schüttelte ihn und hieß ihn, „sich bald wieder anschau’n lassen“.

Die beiden Männer stiegen auf und fuhren dahin.

Der Wirt plauderte lustig, er wies auf den augenscheinlichen Vorteil hin, in fremden Familien eigene Kinder zu haben, pries in überschwenglichen Ausdrücken die diesbezügliche Vorsicht seines Freundes und riß einen lockern Witz um den andern, so daß dem Müller zuletzt die ganze Fahrt wie ein guter Spaß vorkam und er nichts dagegen hatte, daß das Gefährt immer rascher des Weges auf Föhrndorf zurollte.

Als das Dorf in Sicht kam, fragte er einen Knecht, der längs der Straße auf dasselbe zuschritt, um den Hof des Grasbodenbauers; behend sprang er vom Wagen, als derselbe erreicht war, bat seinen Freund, nach dem Gemeindewirtshaus zu fahren und dort einzustellen, versprach, bald mit der Dirne nachzukommen, und trat durch den Torbogen ein.

Die alte Sepherl hatte den Wagen halten hören und war neugierig aus dem Hause getreten.

„Guten Abend,“ sagte der Müller, „dient die Reindorfer Leni wohl noch da bei euch?“

„Ei wohl, dieselbe dient da.“

„Ist sie fein anstellig und brav?“

„Mer könnt’ nit anders sagen, als daß sie das sein tät’,“ leitete die Alte ein, denn wenn ein Fremder jemand nachfragte, schien es ihr geboten, zu loben, das erweckte ja auch für das übrige Gesind’ ein günstig Vorurteil; sie stand im Begriff recht gesprächig zu werden, aber der Müller unterbrach sie: