„Wo find’ ich die Leni?“
„Im Garten,“ sagte sie kurz.
Der Müller stieß das Zauntürchen auf und betrat den Kiesweg. Er fand die Gesuchte mit Burgerl in der Laube sitzen. Er hatte die Dirne bisher gemieden, sie höchstens — wo einer Begegnung nicht auszuweichen war — mit flüchtigen Blicken gemustert, als er sie nun jetzt mit einemmal vor sich sah, schmuck, von den welligen Scheiteln bis zur Sohle der kleinen Schuhe, da wandelte ihn etwas wie Stolz an, sein Auftrag gefiel ihm je mehr und er fühlte sich auch den Mann, ihn auszuführen.
„Grüß Gott,“ sagte er hinzutretend.
„Grüß Gott,“ erwiderte Leni. Als sie aufblickte und den Müller erkannte, da wich die Farbe aus ihrem Gesichte und sie sah ihn mit großen Augen befremdet an.
„Dein Vater?“ fragte neugierig Burgerl, welche wohl die Erregung der Freundin merkte, aber falsch deutete.
Der Müller tat rasch einen vielsagenden Blick nach Magdalena, es hätte ihm Freude gemacht, sie verlegen zu sehen, aber auf ihr „Nein“, das so hart und schroff abweisend klang, wie er dem Mädchen nicht zugetraut hätte, senkte er wieder die Augen und sagte: „Ich bin nur ein Bekannter aus dem Orte, wo sie her ist.“ Und da er die Frage von dem Gesichte des Mädchens ablas, fuhr er gegen dasselbe fort: „Was ich dir will? Ich hätte was Wichtiges mit dir zu reden, tu mir den Gefallen und komme mit mir.“
„Ich weiß nicht ...“
„Aber ich weiß und mir liegt daran,“ erklärte bestimmt der Müller.
Da sah ihm das Mädchen starr in die Augen. „Du sollst deinen Willen haben,“ sagte es. „Gelt, Burgerl, du gerat’st[25] mich wohl für ein’ kurze Weil’ und gibst mir Urlaub? Ich bleib’ dir kein’ Minute länger weg, als not tut, und das wird nit lang sein. Gehn wir jetzt, Müller!“