„Wer?“ Der Müller blickte erstaunt auf. „Ja so, du meinst den alten Reindorfer. Nun, von ihm aus möchtest du all dein Lebtag ein armer Dienstbote verbleiben, und ich glaub’, wenn er von meinem Vorhaben hört, so wird er deinem Glück nicht in den Weg treten.“
„Das säh’ ihm wohl gleich. Aber meinst du nicht, daß dem alten Mann dabei hart und weh’ geschehen möcht’?“
„Warum denn auch?“
Die Dirne atmete hoch auf, sie blickte scheu um sich, weil sie mitten unter fremden Leuten saßen, und zum erstenmal sollte sie, was ihr das Herz preßte, nicht laut heraussagen dürfen; sie neigte sich etwas über den Tisch. „Frag nicht warum, ich kann da nicht reden. Ich verlass’ den Vater nicht.“
Der Müller schüttelte mißbilligend den gesenkten Kopf. „Nenn’ ihn nicht immer so, du weißt gar wohl, wer es dir ist und magst es jetzt auch verspüren. Handle ich nicht schön an dir?!“
„Nachträglich.“
Da schlug der Müller mit der flachen Hand auf den Tisch. „Dirn’,“ sagte er aufbrausend, „da säßest du nicht und könntest nicht so in den Tag hineinreden, wenn ich nicht wär’!“
„Wohl. Es wär’ ein schwermächtiger Unsinn, wenn ich sagte, ich vermöchte, eines andern Kind, ebenso da zu sitzen, die ich bin, auch ohne dich; aber ich dank’ dir nicht für mich. Wie ich geworden bin, ist doch nicht dein Verdienst, und das Leben allein ist das Wenigste, das ihr einem geben, und das Geringste, das man euch schulden kann, schon eines, das ehrlos und verlassen zur Welt kommt, mag sich des Dankes für quitt halten, aber ich — wär’s lieber nie geschehen, — bin wider Ehr’ und Recht gekommen, du hast mir die Mutter elend gemacht und den mir liebsten Menschen auf der Welt gekränkt, ich kann kein Herz zu dir fassen.“
Der Müller blickte nicht auf, als er jetzt leise sagte: „So magst du reden, wo doch in weiter Welt selbst das Tier — das Tier — das eigene Blut anerkennt?!“
„Beruf dich nicht darauf, Müller. Was auch die Leute schwätzen von verwandtem Blut, das ordentlich aufsieden müßt’, wenn sich Kind und Eltern, auch ungekannt, zusammenfinden, es ist doch nur gefabelt, aber für allzeit wahr bleibt Dankbarkeit und Lieb’ — nicht für den, der einmal Vater gewesen war —, sondern für den, der es auch immer geblieben ist!“ Sie erhob sich vom Sitze. „Und das ist mir der alte Mann bis auf den heutigen Tag. Ich heiße nicht nur, ich bin auch Reindorfers Magdalen’, und das erlebt er nie, daß ich mich von ihm abwend’ und dem zulauf’, der vielleicht der einzige auf der Welt ist, den er nicht leiden kann. Wie ich auf die Welt gekommen bin, hab’ ich ihn gekränkt, das war unverschuldeterweis’, verschuldeterweis’ kränk’ ich ihn, seit ich bei Verstand bin, nimmer, auch um deine Mühl’ nicht und hätt’ sie sieben Gäng’ und mahlte pur’ Gold!“