Der Müller hielt sie an der Hand zurück und sagte, jedes Wort aus der beklommenen Brust heraufholend: „Wohl — d’ mein’ hat nur zwei und mahlt Korn — doch überleg’s — ’s könnt’ dich reu’n.“

Sie preßte die geschlossenen Lippen fester gegeneinander, riß sich los, schritt aus der Gaststube und eilig, ohne umzublicken, die Straße dahin.

Da überleg’, wer jede Sorge fürchtet und harte Arbeit scheut. Sie läßt sich dem Vater nicht wegkaufen, den hat sie über Sorge und Arbeit alt werden sehen, sie fürchtet nicht die erste und scheut nicht die letzte, sie ist Reindorfers Magdalen’ und sie bleibt es!

Wie gern hätte sie den Vater zur Stelle haben oder sich gegen jemanden aussprechen mögen, an dessen Meinung ihr gelegen war, etwa gegen den Grasbodenbauer! Aber das ging doch nicht an. Sie horchte auf den Schall ihrer Tritte, unter welchen die Sohle des einen Schuhes knarrte, und wie sie so stramm ausschritt, da klang es ihr ganz deutlich: „Recht — ge — tan! Recht — ge — tan — —“

Der Müller warf die Zeche auf den Tisch.

Sein Freund trat hinzu. „Ein Kernmädl, das, ohne dir z’ schmeicheln. Schad’, daß d’ d’ Freud’ daran ein’m andern überlassen mußt. Begreif’s, du möcht’st gern die auch noch, aber, lieber Freund, der Mensch muß nit alles woll’n!“

Sie stiegen auf und fuhren davon.

Gar bedächtig trottete das Rößlein an dem Gehöfte des Grasbodenbauers vorüber, aber hinter keinem Fenster, unter keiner Türe, um keine Ecke zeigte sich, was der Müller zu sehen hoffte; da senkte er den Kopf, starrte vor sich hin und kargte mit den Worten, kein Witz des lustigen Wirtes verfing mehr, so daß dieser gar bald auch verstimmt und verstummt dasaß und erst, als sie der Kreisstadt nahe kamen, aufatmete.

„No sind wir gleich heim,“ sagte er, „und da trinken wir eins und da spülst all den Gift, Gall’ und Ärger h’nunter.“

„Dagegen half freilich ’s Trinken, aber geg’n das nit,“ sagte seufzend der Müller, „was mich bedrückt. Ich mag gar nit einkehr’n.“