„Wär’ eh’ recht, wann ich’s Kind so leicht von mir ließ’,“ sagte der Grasbodenbauer.
Der Alte brachte die Hand vor den Mund und stieß unter einem leichten Hustenanfalle die Worte hervor: „Bist du ein guter Vater!“
„Schwieger, laß dir sagen,“ fuhr der andere eifrig fort, „ich verkenn’ ja nit dein’ Absicht; aber vertrau’ auch du mir, daß d’ hinter dem Ganzen nix z’suchen hast, als der Leut’ Unvernünftigkeit und Bosheit; laß nur a weng Zeit mit dein’m Einmengen und wirst sehn, sie werden’s von selber müd’ und d’ Wahrheit b’halt’ recht.“
„Um d’ Wahrheit handelt sich’s ja gar nit, sondern um ’n Anschein und der wird, je länger mer’s anstehn laßt, je übler! Weißt, Kaspar, ich hab’ die Dirn’ da auf dein’ Hof ’bracht, und drum halt’ ich mich auch in mein’ G’wissen für verpflicht’t, daß ich, soweit an mir liegt, draufschau’, daß s’ Ruf und Ehr’ von da fortnimmt, wie sie s’ herbracht hat. Es is eh’ ’s Allermindest’, was ich tun kann, daß ich mich hinsetz’ und ihren Leuten schreib’, daß dö entscheiden, ob s’ die Dirn’ dalassen oder heimholen wollen.“
Der junge Bauer erhob sich und legte die Hand auf den Arm seines Gegenübers „Das wirst nit tun, Ehnl![26] Und ich sag’ dir auch, warum. Döselb’n Leut’ sein nit da am Ort und können sich von nix überzeugen, du aber kannst s’ nur falsch berichten, denn du gehst nur nach’m Gered’ und fragst der Wahrheit nit nach.“
Er schritt erregt die Stube ein paarmal auf und nieder, dann stellte er sich an den Tisch und begann auf den Alten einzureden:
„Seit Jahr und Tag, wo die Dirn’ af mein’ Hof is, kommt mir mein Hauswesen erst wie a solch’s vor; der Burgerl is sie a zweite Mutter, wo ich sie auch prob’ und prüf’, zeigt sie sich als tüchtige Hausnerin und mir als a ehrliche und aufrichtige Freundin. Die Dirn’ is unter mein’ Dach so sicher wie unter ihrer Mutter Augen, und das laß dir sagen, die steht für sich selber in so aufrechter Ehrbarkeit da, daß s’ jed’s unlautere Wesen von ihr wegscheucht, und von mir kannst ’s glauben, — ich bin nit der Mon, der a Lug’ sagt, — wie ich mich auch zeither ihr erkenntlich bezeugt hab’, in Worten und Begegnen und Präsentern, niemal hab’ ich vergessen, was wir beid’ einander schuldig sein; nie bin ich auch nur entfernt auf ein’ unerlaubten Gedanken verfallen ... Eh’ zun Teufi h’nein, Ehnl, was lachst denn wie nit g’scheit? — Bist narr’sch? — Was gibt’s denn da zun Lachen?!“
Der alte Mann saß zurückgelehnt und lachte lauthals, erst als er seinen Schwiegersohn vor zorniger Ungeduld die Fäuste ballen und die Arme schütteln sah, beeilte er sich aufzustehen und faßte ihn begütigend mit beiden Händen über den Ellbögen an. „Kaspar,“ schrie er lustig, „hitzt heißet ich dich gern was, aber es fallt mer in der G’schwindigkeit nix ein, was zutrifft! Ist’s denn möglich, kann’s denn sein? Wo dö Dirn’ die Seel’ von dein’m Hauswesen is, dein’m Kind a zweite Mutter, dir a aufrichtig Freundin und in all’n Stucken ein ehrbar’ Weibsleut’, braucht’s denn da erst a Jurament von dir, daß d’ auch nit entfernt af ein’ unerlaubten Gedanken verfall’n bist?! Aber du Himmelsackermentslalli, warum verfallst denn nit, wo ’n er so nah liegt, af ’n verlaubten!?“
„’n verlaubten?“
„Was machst sie denn nit zu deiner Bäuerin, wann d’ schon in sie verliebt bist und sie in dich, daß ihr allzwei vor lauter G’scheitheit und Vernünftigkeit gar nit wahrnehmt, was ihr für Dummheiten vor’n Leuten angebt?!“