„Leni,“ sagte der Grasbodenbauer leise und seine Stimme durchzitterte eine freudige Erregung, „sei du so grundaufrichtig gegen mich, wie ich’s gegen dich sein will! B’sinnst dich noch, wie ich g’sagt hab’, daß eine, die denkt wie ich, wenn s’ mich ernsthaftig lieb g’winnt, eh’ mir trotz mein’m Hof auf und davon rennen müßt?! Und dieselbe, die nämliche bist du! Denn was sonst möcht’ dich von da wegtreib’n?“ Er wies nach dem Bündel in der Ecke.

Leni tat einen Schritt zurück und streckte den Arm, als wolle sie das Bündel vor seinen Blicken decken.

„O, laugn’ ’s nit! Ich g’steh’ ’s ja auch freibrüstig und offen ein, wenn ich damals g’sagt hab’, ich wüßt’ nit, ob ich die Kurasche hätt’, d’selbe Ausreißerin z’ruckz’halten, heut, wo du vor mir stehst in all’n Stucken d’ Rechte und d’ Richtige, weiß ich’s wohl, daß ich dir nachlaufet bis ans End’ der Welt, und weil dös G’lauf — Gott sei Dank — nit nötig is, daß ich dich nit fort lass’! Da ist mein’ Hand, Leni, schlag ein und werd’ mein Weib!“

Sie sah mit leuchtenden Augen in die seinen, dann faltete sie die Hände vor sich. „Du tust mir eine große Ehr’“ — stammelte sie, — „du tust mir ...“ Da versagte ihr die Stimme, sie entfaltete die Hände und drückte die ausgespreiteten Finger gegen die Brust.

„Lenerl!“

„Nit, Kaspar!“ Sie wehrte ihn ab. „Ich muß dir voreh’ noch ein’s sagen; es is a hartfällige Aussag’ und wenn auch meinseits kein Verschulden dabei is, so könnt’s dich doch anders b’sinnen machen.“

„Dös nit! Nix nit und nie nit!“

„Übereil’ dich mit kein’m Wort, eh’ ich ausg’red’t und dir all das g’sagt hab’, um was du jetzt wissen mußt.“

„Burgerl,“ sagte der Bauer vom Hof auf der weiten Hald’, indem er den kleinen Finger in der Ohrmuschel schlenkerte und tat als ob er aufhorche, „Burgerl, hitzt scheint mir, pfeift uns all’n zwei der Vogel.“ Damit trug er das Kind zur Türe hinaus, die Treppe hinab, nach der unteren Stube.

Dort saß der alte Mann, hielt die Kleine auf seinem Schoße und beschwichtigte sie vorerst dadurch, daß er auf ihre immer wiederkehrende Frage, ob Leni wohl bleiben werde, jedesmal unverdrossen antwortete: „Freilich, freilich, bleibt sie! Versteht sich, daß s’ bleibt!“