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Als der Grasbodenbauer hinter den Weggehenden die Tür ins Schloß gedrückt hatte, begann Leni: „Was ich dir mitteilen muß, is nit mein allein. Du hast mich seinzeit — ’s war brav von dir — nit falsch verstanden, wie ich g’sagt hab’, auch mir hätt’s d’ Lieb’ schon einmal nit gut g’meint. Heut bin ich dir’s schuldig, daß ich dich drüber aufklär’, damal hab’ ich’s unterlassen, weil unter döselb’n G’schehniss’ unser mehr g’litten haben, am härt’sten der, den ich Vater nenn’, und wenngleich das, was ich jetzt Wort haben muß, mich in dein’ Augen unehrlich machen sollt’, dem alten Mon sein’ Ehr’ möcht’ ich g’wahrt wissen! Gelt, du b’halt’st’s bei dir? Aber ich weiß ja, wem ich’s anvertrau’, wenn ich dir’s anvertrau’, und dir will ich alles verzähl’n!“
Und sie erzählte alles!
Der Grasbodenbauer strich die Haare zurück, die ihm, während er mit gesenktem Kopfe und öfter nickend zuhörte, in die Stirne gefallen waren. „Ei, du mein,“ sagte er, „was gibt’s doch für Heimsuchung af der Welt, die ’m Schuldlos’ ungleich mehr zumeßt wie ’m Schuldig! Versteh wohl, wie das hart von der Zung’ will und nit für jedwed’ Ohr is. Ich dank’ dir für dein Vertrau’n. Aber das wüßt’ ich nit, was mich da sollt’ anders b’sinnen machen, wo du dich in all dein’ Meinen und Tun so ehrbar und brav bezeigt hast, nit anders, wie ich dich dafür d’ Zeit her hab’ kennen g’lernt, und das wüßt’ ich nit, wie dich in mein’ Augen verunehr’n könnt’, daß d’ nit Reindorfers bluteigen Kind bist? Mocht’ dir der’s Licht der Welt gönnen, wie viel mehr ich, der dir all’n Sonn’schein, den der liebe Himmel gibt, gönnt! Mehr nur halt’ ich auf dich, seit ich weiß, wie du zu dem alten Mon stehst, denn wie ich mir’n als rechtb’sinnt und herzoffen denk’, so muß das wohl a gutg’raten Kind sein, dem er, obgleich’s ihm fremd, erlaubt Vater z’ sag’n! Der Mon is mir wert, dein’thalben doppelt, und du sinnst ihm wohl all’s Liebe und Gute, und wann sich’s schicken sollt’, daß er uns braucht, so hat’s nit not, daß du mehr sagst als: der Vater is da, — und ich führ ’n an der Hand in unser Haus!“
„Dö Red’ dank’ ich dir von Herzen,“ sagte freudig Magdalen’, „aber“ — setzte sie leicht den Kopf schüttelnd, hinzu, — „wann er mal mein’ bedürft’, so wär’s für mich a alleinige, liebe Sorg’, doch für ein’ andern nur Plag’ und Ung’legenheit.“
„Hast denn du nit schon von der mein’ dein’ rechtschaffen Teil auf dich g’nommen und vermeinst, ich vermöcht’ dir z’lieb’ nix zu ertragen?! Woll’n wir uns denn nur z’samm’tun zu Lust und Freud’? Soll’s denn nit auch für Leid und Trübsal gelten? Ei wohl, für gut’ und bös’ und alle Zeit und ich erwart’ nur dein’ Red’, daß’s gelten soll, Lenerl! Nur a Wörtel!“
Er war nah’, ganz nahe an sie herangetreten.
Sie aber sagte das Wort nicht. Ohne die Hände, die an den Schürzenrändern zerrten, zu erheben, sank sie an seine Brust und schluchzte laut und er faßte sie mit beiden Armen um die Hüfte und hielt sie so. Plötzlich sah sie unter Tränen lächelnd zu ihm auf. „Ich mach’ dich da ganz naß,“ sagte sie. Sie legte die Rechte auf seine Schulter und griff mit der Linken einen Schürzenzipfel auf und wischte damit über den feuchten Brustfleck.
Da prallte die Tür auf und Burgerl stürzte hinein.
„Müßt’s schon verzeih’n,“ sagte der Ehnl, der an der Schwelle stehenblieb. „Ich konnt’ s’ nimmer unten verhalten.“