Im Hofe sah sie das übrige Gesinde stehen, sie nickköpften alle, mancher mit hochgezogenen Augenbrauen und offenem Maul, es gab lauter erstaunte Gesichter, aber kein unfreundliches, und als sie ihr Bündel dem Mathies übergab, da nickte er ihr fast vergnügt zu. Volksgunst hält sich, wie im großen, so auch im kleinen an den Erfolg und darin liegt ein gutes Stück gesunden Denkens, welches nur da falsch schließt und verderblich wird, wo der Erfolg in seinen Mitteln und Zwecken unmoralisch, oder der Person und der Sache nach ein unverdienter ist. Alle, die Magdalenen abgünstig waren, seit es hieß, sie habe es auf den Bauer abgesehen, schienen jetzt anderen Sinnes, wo sie eben das erreicht hatte, was zu erstreben man ihr für übel genommen.
Als sie nun, die Letzte, in den Wagen steigen sollte, da umschlang Kaspar, wie von einer plötzlichen Wildheit erfaßt, mit beiden Armen ihre Hüfte und schwang die Erschreckte auf den Sitz. Sie stieß einen leichten Schrei aus. „Hab’ ich z’ grob zug’griffen?“ flüsterte er. „Schau, ich konnt’ mer nit helfen, anfassen mußt’ ich dich und halten, auf daß ich glaub’, daß d’ mein bist, und auch du merkst, daß d’ mir nimmer auskannst.“
Sie reichte ihm, vor sich niederblickend, die Hand. Der Wagen setzte sich langsam in Bewegung und der Bauer schritt nebenher bis zum Tore. Dort sahen sich die beiden Scheidenden tief in die Augen und trennten zögernd die Hände. Man rief und winkte sich Abschiedsgrüße zu, bis das Wagengerassel die Rufe übertönte und man sich an einer Straßenkrümmung jäh aus dem Auge verlor. Der Bauer blieb horchend an der Stelle stehen, bis ferne jedes Geräusch erstorben war, dann kehrte er auf den Hof zurück und begann ein lustiges Schelten, geschäftiges Anordnen und rühriges Selbstzugreifen.
„Ah, halt ja,“ sagte halblaut der Heiner, „hitzt g’freut ihn erst ’s Leb’n.“
Gar stille war es auf dem Wägelchen geworden. Leni saß mit halbgeschlossenen Augen, die gefalteten Hände im Schoße, zwischen Wachen und Träumen.
Erst als das Dorf hinter ihnen lag und sie in den Föhrenwald einfuhren, wandte sich der alte Bauer an das Mädchen: „Möcht’st etwa ’n Brautstand über lieber bei dein’ Leuten bleiben?“
Sie schüttelte den Kopf. „’m Vater z’lieb’ schon, aber ’n Geschwistern trau’ ich nit, sie könnten ihm und mir d’ Freud’ verderben.“
„Dann bleibst af mein’ Hof, bis dich der Kaspar als Bäu’rin af sein’ holt, Ich gönn’ dir’s.“
Er hatte seine Rechte bekräftigend auf beide Hände Lenis gelegt und konnte es nun nicht wehren, daß diese zufaßte und seine Hand an die Lippen führte.