Früh am andern Morgen ging der Bauer mit Gesinde und Taglöhnern vom Hofe weg. Obwohl die Arbeiter sich in zwei Partien schieden, deren jede es von einem anderen Ende des weitläufigen Grasbodens angriff, so sah doch in der ersten halben Stunde jeder den Bauern mehrere Male; er hatte — wie die Leute meinten — „heut wieder einmal das große Umschießen“. Später sah man ihn längs des Waldsaumes dahinstreifen und bald darauf gar nicht mehr.

Hatte er es mit seinem Ab- und Zulaufen darauf abgesehen, die Leute bei Fleiß und Rührigkeit zu erhalten, so wirkte allerdings die Furcht, daß er mit einmal wieder mitten unter ihnen zur Stelle sein könnte, eine geraume Weile nach.

Er war, ein wenig zögernd, in den Wald getreten, dann eine gute Strecke unter den Bäumen dahingegangen, plötzlich besann er sich und kehrte zurück, hielt aber mitten auf dem Rückwege wieder inne und verfolgte nun gesenkten Kopfes und mit stark ausgreifenden Schritten den Pfad, der tiefer in den Wald führte. Als er, um auszuschnaufen, still hielt, befand er sich auf freier, sandiger Heide, fern im Rücken die dunklen Föhren.

„’s wär’ ein Unsinn,“ murmelte er. „Jetzt, wo ich so weit von Föhrndorf abkommen bin und so nah nach Hinterwalden hab’, müßt’ mer mich frei auslachen, wenn ich umkehret.“

Wieder begann er rasch auszuschreiten. Er hatte einen Weg zu nehmen, nicht kürzer, als der zurückgelegte war, um an das Dorf heranzukommen, und erst eine Strecke hinter demselben lag der Hof auf der weiten Hald’.

Als er Hinterwalden erreichte, bog er von der Straße, die ihn mitten durch den Ort geführt hätte, nach einem Fußsteige ab, der im Rücken der einen Häuserzeile an Gartenzäunen und Scheuern hinlief und sich mit dem Fahrwege erst angesichts der letzten Häuser wieder vereinigte, unmittelbar vor einer Brücke, unter welcher ein dünner Wasserfaden in einem zerklüfteten Bette rann, in welchem nur frühjahrs und nach Regenstürzen ein schäumender Wildbach toste. Jenseits der Brücke lag ein mit Buschwerk bestandener Hügel.

Als der Bauer über den Bach schritt, tat er einen flüchtigen Blick über die Achsel, sah aber niemand um die Wege; nur dort vor dem Laden des Krämers, der zugleich Posthalter war, stand, den Rücken herwärts, eine Dirne, die einen Brief in den Sammelkasten warf.

Als der Bauer den Hügel hinanstieg, horchte er auf und zog ein ärgerlich Gesicht; über die Brücke kam jemand in trappelnden, eiligen Schritten nach, dem mochte er nun vorauflaufen, oder hinter ihm zurückbleiben, nach fünfzig Schritten hatte der Busch ein Ende und begann die weite Hald’, wo man für jeden, ob er einem im Rücken herankam oder voranschritt, auf eine lange Strecke sichtbar blieb. Das Klügste war wohl ins Gesträuch zu brechen und den Weg eine gute Weile über ganz freizugeben.

Dazu wollte der Bauer eben Anstalt machen.

„Kaspar,“ rief eine Stimme hinter ihm, auf deren Klang er sich mit einem Ruck umwandte.