Möcht’ ich selber gleich sein!
’s war ein Hauptspaß, daß er just dem nachsinnen mußte und nicht sofort darauf verfiel, aber das letztere nahm ihn nicht wunder, den ganzen Weg über horchte er kaum auf sein eigenes Gesinge, seine Gedanken hatte er ganz anderswo und über den letzten galt es sogar rasch schlüssig zu werden.
— — „Hätt’ sie sich nit g’scheut, g’wiß möcht’ s’ mich gebeten haben, daß ich ehestens ihr’n Vatern aufsuch’. Ich hab’ ihr’s wohl ang’merkt, am liebsten hätt’ s’ mich gleich gradweg’s von Hinterwalden nach Langendorf g’schickt. Sie kann’s nit erwarten, daß mich der Alte sieht und ich selber wär’ nit wenig neugierig auf ihn. Ja, mein’ liebe Leni, mit dein’ Brief karriolt wohl der Postbot’ schon die Straßen vorauf, den hol’ ich nimmer ein; aber hint’nach mag ich dort sein, eh’ d’ nur ein’ Gedanken davon hast. Was? das ging’ wohl? Han?“ — —
Es war hoch am Mittage, als er den Grasboden erreichte und mit einmal wieder, wie aus der Erde gewachsen, vor den Arbeitsleuten stand, deren verlegene Mienen ihn wohl merken ließen, daß sie sich seine Abwesenheit zunutz’ gemacht; aber er schalt nicht. „Lei, lei[29],“ sagte er, „tut nit lauleln[30], Leut’! Ich verlang’ von kein’ mehr, als sich ’n Tag über schaffen laßt, das aber wohl. Seid nur auch billig, wie ich’s bin.“
Er nahm den Großknecht beiseite. „Heiner, morgen mußt du dich da als Herrn aufspiel’n. Ich fahr’ zur Eisenbahn. Trag mir Sorg’, daß Roß und Wagen rechtzeitig bereit stehn. Der alte Sepp zählt wenig mehr bei der Feldarbeit und geht nit ab, mag er mitfahr’n und auf der Station warten, bis ich heimkehr’.“
Er rieb sich vergnügt die Hände.
Auf dem Reindorfer Hofe ging es recht lebhaft zu. Gegenüber auf der Anhöhe vor dem Tannenwäldchen krachten Pöller, Pistolen wurden im Hofe abgefeuert, es herrschte lauter Jubel, Hochzeitfeier war im Hause.
Nachdem die alte Reindorferin gestorben war, redete alles auf den Bauer ein und stellte ihm vor, wie er es nun doch nimmer allein werde richten und machen können. Schon damit die Wirtschaft nicht zurückginge, sollte er sie doch ja beizeiten seinem Leopold übergeben und den heiraten lassen, wenn es nicht anders wäre, in Gottesnamen die Melzer Sepherl, die werde sich ja auch anders anlassen, wenn man ein Einsehen mit ihr hat, und jung waren wir alle, mein Himmel, das gibt sich mit der Zeit! Allerdings, das Jungsein pflegt sich mit der Zeit zu geben. Der Alte wollte auch wieder etwas „Weiberhafts“ auf dem Hofe haben, es war recht kindisch, daß er dabei an die Magdalen’ dachte und sich die Melzer Sepherl aufreden ließ, aber es waren ihrer so viele, die da zuredeten und ihn ganz verwirrt machten, so daß er eines Tages ja sagte; die alte Hex’, der Sepherl ihre Mutter, war ja mittlerweile gestorben und die hatte er am meisten gefürchtet. So kriegten sich denn der Leopold und die Sepherl und heute hielten sie Hochzeit.
Nur war kein Verwandtes bei der Feier, der Onkel Schulmeister war gestorben, die Magdalen’ — schützte man vor —, wär’ zu weit weg, um sie einladen zu können, und die Schwester Elisabeth war weggeblieben; die war mit der neuen Verschwägerung gar nicht einverstanden und als ihr gegenüber der Alte entschuldigend meinte, daß ihm halt so viel zugeredet worden sei und daß er hoffe, es werde wohl alles zum Guten ausgehen, da hatte sie gesagt: „Erzwingen hätt’ man deine Einwilligung doch nie können, und daß du die hast in die Verwandtschaft lassen, das verzeiht dir mein Mann nimmer und ich auch nicht.“