Auch dem Grasbodenbauer kam diese Hochzeit verquer und er war nicht sonderlich erbaut, als er vom Wagen stieg, den er in der Kreisstadt gemietet hatte, und nun in dem Trubel und aus dem Menschengewirr den Mann herausfinden sollte, dem er sich in einer stillen Stunde und traulichen Ansprache gegenüber dachte, wobei ihnen beiden das Herz aufgehen mochte. Indes an Ort und Stelle war er einmal und diese lagen doch etwas zu weit ab, als daß man sich so leicht entschlösse, umzukehren und ein andermal wiederzukommen, so trat er denn in den Hofraum und bat einen der dort lärmenden Burschen, ihm den Reindorfer auf einen Augenblick abzurufen.

„Den Bräutigam?“ fragte der höchlich verwundert.

„Nein, den Vater!“

„Ah so, den Alten?“ Der Bursche zuckte geringschätzig die Achseln, man sah, daß ein neu Regiment auf dem Hofe begann. „Ah so, den Alten? der hat sich verzogen, er sitzt im Garten in der Lauben, mein’ ich. Sitzt der Alte nit in der Gartenlauben?“ wandte er sich an ein paar Nächststehende.

„Ja, der sitzt in der Gartenlauben.“

Der Grasbodenbauer begab sich in den Garten, er stand nach wenigen Schritten vor der Laube und hielt still inne. Im Schatten des überwuchernd dichten Blätterdaches saß ein silberhaariger Alter, der einen Brief in den zitternden Händen hielt und oft während des Lesens wie ungläubig lächelte und den Kopf schüttelte, immer danach brachte er das Schreiben dem Auge näher; jetzt war er, wohl auch nicht zum erstenmal, damit zu Ende gekommen und faltete es bedächtig zusammen. „’s Glück meinet ihr’s gut,“ murmelte er, „’s Glück wollt’ ihr schon, käm’ nur nix dazwischen, ’s g’schäh’ mir hart.“

„Kein’ Sorg’,“ sagte, hinzutretend, der Grasbodenbauer.

„Jesus, wer ist denn da?“ fragte, zusammenschreckend, der Alte.

„Einer, der’s ehrlich meint. Grüß Gott, Reindorfer.“

„Mein Je, wer der mich kennen will, und ich entsinn’ mich nit, aber gar nit.“