„Eh, Eisenbahn! Vorher?“
„Über d’ Leni sein wir einig word’n.“
„Ja, ja, bin schon drauf! Aber da siehst es, du hast es, wie man doch im Alter oft ganz verwirrt werden kann! Heut nimmt’s mich auch gar nit wunder, der Kopf tut mir schon weh; seit der Fruh schießen die Sackermenter Löcher in d’ Luft, zuvor haben sie’s auf eine Weil’ eing’stellt, jetzt heben sie wieder damit an, man kann kein gescheit Wort reden — — Jesus und Joseph!“ schrie er auf und fuhr mit beiden Händen nach den Ohren, denn von der Anhöhe donnerten zugleich beide Pöller und Schlag darauf krachten alle Pistolen im Hofe los.
Danach ward es stille, man sah auch, daß sich die Leute verloren. „Jetzt geht’s ans Fressen,“ sagte aufatmend der Alte, „nun geben s’ für eine Zeitlang Ruh’! — Ja, mein lieber Grasbodenbauer, das wollt’ ich bereden, daß dich wohl befremden mag, daß die Dirn’ nix mitkriegt, aber so leid mir g’schieht, ich kann nit! Mußt mich der’wegen für kein’ alten Scharrz’samm’ halten und mir auch nit bös sein, daß ich dir nit klarmachen kann, was mich da verpflicht’t und bind’t; aber es is ein’ G’wissenssach’, wohl ein G’wissenssach’, daß ich mein’ andern Kindern ihretwegen nix entziehen darf.“
„Müh’ dich nit, Reindorfer. Ich nähm’ ja die Sach’, wie sie liegt, aber aufrichtig, ich weiß eh’, wie sie steht und, als ehrlicher Mon, brauch’ ich wohl nit erst z’sagen, daß ich s’ auch bei mir b’halt’. D’ Leni hat mir nix verheimlicht, sie hat mir all’s anvertraut, was sie angeht.“
„So, so? Schau, schau! das hätt’ sie doch lieber auch bleiben lassen können! Nun halt, eigentlich hat sie wohl recht g’habt, zwischen Mann und Weib soll nit die geringste Heimlichkeit bestehn, da soll jed’ Herzfalterl offen liegen; aber ich steh’ halt jetzt schön sauber vor dir da!“
Der Grasbodenbauer schnitt ein einigermaßen verlegenes Gesicht, ehe er polternd herausfuhr: „Na, wie denn auch?! Mein Gott, du bist nit schlechter wie der heilig’ Joseph, der Nährvater.“
Der Alte blinzelte ihm einen lustigen Blick zu. „Du, du! Wirst dich schier mit mein’ Namenspatron zerkriegen, wann d’ so despektierlich von ihm red’st.“
„Nein, nein, mußt erst mein Meinen anhör’n! D’ Heiligen sind einmal auch nur menschliche Leut’ g’west, wovon jeder auf sein’ Art und Weis’ is heilig word’n und heut noch in seiner Art a Vorbild gibt und in seiner Weis’ Fürbitt’ leist’t; drum wissen wir gut — so viel ihrer sind —, nach welchen wir sich zu richten und an wen wir sich z’ halten haben und drum is auch nit jeder Heiliger ein’m jedem seiner! Wirst mich wohl verstehn?“
„Versteh’ dich schon. Wo aber keines Vorbild und Fürbitt’ mehr zureichen will, da kommt’s bei jedem auf der krumm’ Schusterin in unsern Ort ihr’ Red’ h’naus. All’n Heiligen sagt s’, bin ich umsonst ’kommen, jetzt muß einmal unser Herrgott dran!“