Der Grasbodenbauer lachte. „Ei, weißt, lassen wir die Heilig’n, ich werd’ dir’s unheilig sag’n.“

„Ist mir eh’ lieber.“

„Hör mich an, Reindorfer und nimm mir kein Wörtel für übel, bevor ich ausg’red’t hab’. Es is nit jedem geben, sich drein z’schicken, in was du dich, und in derselben Sach’ is auch der Leut’ Urteil gar verschieden, denn da schaut jeder mit selbeigene Augen. Es gibt ein’, die offen über so was lachen, und andere, die sich heimlich schadenfreuen, ich für mein’ Teil find’ gar nix Spaßhaft’s dran, denn nur selten möcht’s, wie da g’schehn is, ein’m Kind zu nutz’ ausgehn, und viel eh’nder für alle häuslich Zucht und Ehr’ ein abträglich Beispiel geb’n, drum hüt’ ich mich wohl, daß ich dich ’n andern zun Vorbild aufweis’.“

„Davor hüt’ ich mich selber. Hast recht, wenn ich mich auch gleich kein bissel für mich z’ schämen brauch’, so was muß in der Ausnahm’ bleiben; so Beispiel’, worüber d’ Welt von alle geweisten Weg’ abbiegen möcht’, die taugen nit.“

„Ich weiß aber auch, die Menschen sein kein’ Gartenhecken und d’ allg’meine Schicksamkeit is kein’ Buchsscher’, mit der man alle z’samm’ fein sauber nach der Schnur zustutzen kann, und jeder gilt auch an seiner Stell’ und in seiner Art, und da sag’ ich dir, dich lieb z’ g’winnen, könnt’ mir völlig g’nüg’n, daß die Leni, die Dirn’, dein Kind sein will und kein’m andern sein’s! Du stehst aber auch als der hochachtbarige Mon vor mir, der über sie gewacht hat von klein auf und in schweren Stunden, allweil sorglich, daß sie Kopf und Herz af’m richtigen Fleck b’halt und das gedenk’ ich dir, Vater Reindorfer, solang mir unser Herrgott ’s Leben schenkt!“

Der Alte sah mit feuchten Augen freundlich auf, dann nickte er ernst. „Es ist nur der Dank, was mich freuen tut,“ sagte er, „blieb’ er weg, müßt ich’s auch zufrieden sein, es ist doch nur Pflicht gewesen.“

„Pflicht?“

„Ei, jawohl! Schickt man sich auch anfangs hart dazu an, später bleibt man darauf, es ist die einzige Weis’, wo man sich selber fühlt als zu Nutz und zu Recht auf der Welt. Wenn es bei Leuten, die am Wasser wohnen, ein Gut anschwemmt, da denkt vielleicht der eine des Gewinnes wegen: Ich nehm’ es! Und der andere der Schererei halber: Ich lass’ es liegen! Und das denken sie wie ein Dieb und ein Verderber; recht wird es wohl sein, wenn ich es vorsorglich aufbehalte bis auf den Tag, wo es mir wieder abgefordert wird.“

„Wer aber könnt’ dir über das Kind Rechenschaft abverlangen?“

„Gott, und wenn selber der nicht, meine eigene Ehr’ und mein Menschtum.“